Zeitung Heute : Blaue Inseln, schwarze Hölle

CARLA RHODE

Zwei Schwestern: "Verspielte Nächte" von Angeliki AntoniouCARLA RHODEEin besonderes Schicksal hat die Schwestern Maria (Vicky Volioti) und Helena (Jasmin Tabatabai) weit auseinandergetrieben.Als Töchter eines Gastarbeiters wuchsen sie in Berlin auf, bis Maria mit ihrem Vater zurück nach Griechenland ging und mit ihm eine Taverne betrieb.Helena wurde in Deutschland Tänzerin.Nach dem Tod des Vaters sehen sich die beiden nach vielen Jahren wieder. Begegnung als Konfrontation: Die traditionsbewußte Maria findet die Schwester in einer heiklen Lage vor.Von einer Tänzerinnenkarriere keine Spur.Helena ist spielsüchtig und verkehrt als Zockerin und Croupier in einschlägigen Berliner Etablissements.Die Nacht ist ihr Arbeitstag, ihre Freunde sind Zocker, Zuhälter und Prostituierte.Maria, die von der Schwester Trost und Lebensrat erwartete, fühlt sich nun selber in die Pflicht genommen. Die Auseinandersetzung als allmählicher Annäherungsprozeß hätte spannend werden können.Doch Regisseurin Angeliki Antoniou, mit den Problemen des Lebens in der Fremde selbst vertraut, hat die Gegensätzlichkeit der Schwestern extrem zugespitzt.Aus Figuren werden Stereotypen, aus Konstellationen Klischees.So wirkt die scheue, streng moralische Maria bald nur noch wie die Verkörperung von Helenas schlechtem Gewissen.Und der verraucht-verruchten Spielhöllenwelt wird schlicht die betörend schöne, meerumspülte Insellandschaft Griechenlands gegenübergestellt.Die Schauspielerinnen immerhin erwecken diese reichlich flachen Figurenentwürfe zum Leben.Vicky Volioti überzeugt als schöne, bleiche, immer etwas melancholisch wirkende Maria, während Jasmin Tabatabai hinter der aufgesetzten Ruppigkeit Verletzlichkeit spüren läßt.Als Gastarbeiterkind fühlt sie sich kulturell entwurzelt und hat Angst vor dem Scheitern, trotzdem entzieht sie sich den Rettungsversuchen der Schwester immer wieder.Die Träume von der Tanzkarriere haben sich nicht erfüllt, na und? Daß sie sich dann doch brav auf den rechten Weg zurückführen läßt, ist als Filmschluß reichlich zuckrig geraten. Broadway, Filmbühne Wien, FT Friedrichshain, New Yorck

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