Zeitung Heute : Blick zurŸck, Blick nach vorn

Feste, Feiern und Visionen: Berlin scheint gut gerŸstet fŸr das Ereignis Jahrtausendwende / Zentrale Ausstellungsprojekte bereits finanziell gesichertEs gibt eine Dramaturgie ("Eine ansteigende Linie von Angeboten"), einen Zeitplan (inklusive Zeitschiene), dann gibt es eine Projektliste, und es gibt Geld, wenn auch (noch) nicht genug: Berlin scheint, zunŠchst auf dem Papier, fŸr die Feierlichkeiten zur Jahrtausendwende gut gerŸstet. Nach langem Hin und Her hat der Senat dem fŸr das Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm verantwortlichen Intendanten der Berliner Festspiele GmbH, Ulrich Eckhardt, 20,3 Millionen Mark zugesichert.Das ist ein Viertel der zuletzt geforderten und ein Siebtel der, wie man hšrt, ursprŸnglich veranschlagten Summe.Doch Eckhardt zeigt sich angesichts dessen nicht deprimiert.Aus gutem Grund, sind doch vier der zentralen und kostenintensivsten Ereignisse des Projektes "2000: In Berlin / Das neue Berlin" finanziell bereits abgesichert: Die 12 Millionen Mark fŸr die Ausstellung "Einigkeit und Recht und Freiheit - 50 Jahre Deutschland", die am 23.Mai 1999 aus Anla§ der Wahl des BundesprŠsidenten im Reichstag in den RŠumen des Martin Gropius Baus eršffnet werden soll, hat der Haushaltsausschu§ des Bundestages gerade genehmigt.Das zweite Ausstellungs-Gro§projekt "Kunst in Deutschland - Das 20.Jahrhundert", geplant an verschiedenen Orten wie der Nationalgalerie und dem Alten Museum (Kostenpunkt: etwa 11 Millionen Mark), wird komplett mit Lotto-Mitteln bestritten.Das gleiche gilt laut Eckhardt fŸr die Zentrale Zukunftsausstellung "Sieben HŸgel - Bilder und Zeiten des 21.Jahrhunderts", die vom 7.Mai 2000 bis zum 7.Januar 2001 im Martin-Gropius-Bau gezeigt werden soll (Kosten: etwa 25 Millionen Mark).Zur VervollstŠndigung des Budgets fŸr die Veranstaltungen des Ÿbrigen Programmes werden noch Sponsoren gesucht, die vom Senat garantierte Summe ist dabei fŸr Eckhardt eine wichtige Hilfe: "Nur wenn man eine Basisfinanzierung vorweisen kann, sind Geldgeber bereit, sich zu beteiligen." Auch hat er noch Hoffnung, da§ auch aus šffentliche Kassen noch Gelder flie§en werden. Das Fundament scheint also gelegt fŸr einen wahren Veranstaltungsmarathon.Die erwŠhnte Deutschland-Ausstellung bildet den Auftakt des Kernprogrammes, den Schlu§punkt bildet der erste Tag des neuen Jahrtausends, der 1.Januar 2001.Die Veranstalter haben ihre PlŠne grob in zwei Etappen unterteilt: das Jahr 1999 ist dem "Blick zurŸck" gewidmet, das Jahr 2000 dem "Blick in die Zukunft".Neben Berlin als zentralem Veranstaltungsort sollen durch Kooperationen unter anderem mit dem Bund, dem Land Brandenburg, der Bundesstadt Bonn, mit Weimar als Kulturhauptstadt Europas, mit europŠischen Nachbarstaaten sowie insbesondere mit der EXPO 2000 auch au§erhalb Berlins Akzente gesetzt werden.Eckhardts wichtigste Partner (neben noch zu gewinnenden Sponsoren) sind dabei der Berliner Senat, die Bundesregierung sowie die vom ehemaligen Senator Volker Hassemer geleiteten "Partner fŸr Berlin". "Berlin ist der einzige Ort auf der Welt, fŸr den mit der Jahrtausendwende wirklich ein neues Zeitalter beginnt", sagt Eckhardt.Man wolle deshalb 1999 zunŠchst "deutsche Bilanzen" ziehen, mit Blick auf die jŸngere Geschichte Deutschlands und Berlins.Das Jahr 2000 werde dann thematisch vorrangig der Zukunftsgestaltung gewidmet.Bei alledem solle vor allem auch Berlin als Stadt zum zentralen Thema gemacht werden, als Ort, an dem sich exemplarisch Vergangenes analysieren und die Zukunft projizieren lasse.Es gehe um eine Neudefinition Deutschlands und Berlins, die angesichts des Umzuges von Regierung und Parlament in die Hauptstadt sichtbar werde."Wir wollen einen Beitrag leisten zu einem politischen Bewu§tseinsbildungsproze§", so Eckhardt.Zu diesem Zwecke haben er und seine Mitstreiter einen enorm weitreichenden Rahmen abgesteckt und sich selbst einem hohen Anspruch ausgesetzt: "Der Auftritt der neuen Zeit in verŠndertem Land und neugestalteter Stadt, in Deutschlands und Europas Mitte, mu§ markiert und wirkungsvoll in Szene gesetzt werden." Wenn auch die zentralen Themen und (teilweise) die Titel der Projekte bereits feststehen, lŠ§t sich Ÿber die detaillierten Ausformungen derzeit noch nicht viel sagen.Unter weiteren Ausstellunsprojekten ("Die Zeit - Projekt fŸr Kinder"; "Apokalypse - Die Zukunft in der Vergangenheit"; "Z 2000 - Die nŠchste Generation") fŠllt der geplanten "Stadtausstellung ISA 2000" eine besonders wichtige Rolle zu.In Verbindung mit dem WeltstŠdtebaukongre§ "Urban 21" und der Ausstellung "Berlin - Offene Stadt" soll die "ISA 2000" StadtrŠume im nationalen und internationalen Kontext illustrieren. Bei den zahlreichen Veranstaltungen in den Bereichen Musik, Film, Theater und Tanz mischt sich Bekanntes (unter anderem Festwochen, Filmfest, Musikbiennale) mit Speziellem wie dem Sommerfilmfest "Sinfonie der Gro§stadt", einem "Japan Festival", "Ungarn Begegnungen" oder einer Reihe "BundeslŠnder zu Gast" sowie dem Festival "Theater der Welt".Geplant ist weiterhin eine PrŠsentation Berlins in Bonn. Besonderen Wert legen die Veranstalter auf die Zusammenarbeit zwischen Kultur, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft.So soll, beginnend im Jahr 1998 unter dem Titel "Agora", ein GesprŠchskreis aus fŸhrenden Wissenschaftlern gegrŸndet werden, "der Berlin auf dem Weg ins 21.Jahrhundert geistig begleiten soll".Des weiteren ist eine "škonomische Werkstatt des 21.Jahrhunderts" in Vorbereitung, in der "Ÿber Unternehmen, Produktionsweisen, Wirtschafts-, Sozial- und Arbeitspolitik" gesprochen werden soll. Besonders im Blickpunkt steht natŸrlich der Tag der Tage, die Nacht der NŠchte, der 31.Dezember 1999.Schwer wird die Entscheidung fŸr die, die mitmachen wollen.Der Plan fŸr eine Gala am Brandenburger Tor ist keine echte †berraschung, sie soll eingebettet werden in eine flŠchendeckende "Illumination in der Mitte der Stadt".Eine "Jahrtausendgala Tempelhof" mit "Jahrhundert-Feuerwerk" bietet sich als Alternative an, die UNESCO plant eine "Jahrtausendfeier Potsdam-Sanssouci (Welterbe) und Berlin" mit Gala in der Orangerie des Schlosses Charlottenburg, das Berliner Philharmonische Orchester sowie das Weltorchester der Jeunesses Musicales geben Silvesterkonzerte.Der Feierlichkeiten nicht genug: Am 23.Mai 1999 ist in Berlin-Mitte ein Bundesfest geplant, am 7.September des gleichen Jahres folgt ein BŸrgerfest des Bundestages, am 3.Oktober wird - 1999 und 2000 - zum Deutschlandfest gebeten.Den Abschlu§ bildet dann am 1.Januar 2001 das Europa-Kultur-Fest zum Start ins 21.Jahrhundert. 

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