BLICKWECHSELEin polnisch-deutscher Literaturdialog : Wohin mit Europa?

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Foto: picture-alliance / dpa

Die Geschichte der polnischen Literatur, brachial verkürzt, geht so: Im Anfang war Adam Mickiewicz. Aus seinem romantischen Herzen quoll in paargereimten Dreizehnsilbern das letzte große Versepos Europas, der „Pan Tadeusz“. Nach seinem Tod 1855 kletterte Mickiewicz in fast jeder polnischen Stadt auf ein Denkmal und hielt Ausschau nach neuen Talenten. Da kam Czeslaw Milosz (Foto) aus Wilna: ein katholischer Metaphysiker vor dem Herrn, der doch ganz und gar im Reichtum dieser Welt zu Hause war. Mit seinem antistalinistischen Essayband „Verführtes Denken“ beförderte er sich über Jahrzehnte ins amerikanische Exil, bis ihm der Nobelpreis 1980 eine Rückkehr als Dichterfürst ermöglichte.

Inzwischen huldigt die Nation der Schriftstellerin Dorota Maslowska, einer 28-jährigen Jungwilden, die schon mit ihrem ersten Roman „Schneeweiß und Russenrot“ (Kiepenheuer & Witsch), den sie als 18-Jährige schrieb, Furore machte. Ihr zweites Buch „Die Reiherkönigin“ war ein Stück fast gerappter Prosa, mehrere Theaterstücke folgten.

Die Akademie der Künste inszeniert nun einen polnischen Literaturdialog, bei dem unter dem Titel „Rodzinna Europa – Europa als Heimat?“ an einem Abend Michael Krüger, Durs Grünbein, Adam Zagajewski und Olga Tokarczuk über das Vermächtnis von Czeslaw Milosz diskutieren und am nächsten Maslowska und ihre jungen Kollegen Wojchiech Kuczok, Daniel Odija und Joanna Bator über den Aufbruch ins 21. Jahrhundert. Prominenter kann eine Einladung, die Literatur der Nachbarn kennenzulernen, nicht aussehen. Gregor Dotzauer

Akademie der Künste Pariser Platz, Do/Fr 8./9.12., 20 Uhr, 6/4 €, www.adk.de/blickwechsel

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