Zeitung Heute : Blütenbaum für kleinere Gärten

Robinien beeindrucken durch üppigen Flor und zarte gefiederte Blätter

Tassilo Wengel

Seit Ende des letzen Jahrhunderts scheint sich die Robinie (Robinia) auch bei uns zu einem Modegehölz zu entwickeln. Wegen ihrer Resistenz gegenüber dem Stadtklima ist sie ein wichtiger Bestandteil von Grünanlagen geworden. Häufig findet man in Vorgärten, Fußgängerzonen oder als schmückenden Schattenspender die Sorte ‚Umbricaulifera’, die auch als Kugelrobinie bezeichnet wird. Sie entwickelt sich zu einem Kleinbaum von vier bis sechs Metern Höhe und gleicher Breite. Die Zweige sind dornenlos und dünn, die Blätter hellgrün. Blüten wurden angeblich bisher nicht beobachtet. Doch es gibt auch blühende Sorten, die sich ebenfalls als Ziergehölz gut für den Garten eignen. Mit ihren feingliedrigen, frischgrünen Fiederblättern und den kurz nach dem Laubaustrieb weißen oder rosafarbenen Blütentrauben sind diese Kulturformen von besonderem Reiz. Dazu kommt bei den baumförmig wachsenden Arten die locker aufgebaute, lichtdurchlässige Krone.

Besonders alte Robinien können eine malerische Erscheinung sein. Vor allem die Gemeine Robinie (Robinia pseudoacacia) verbreitet einen sehr intensiven Duft und gehört zu den nektar- und zuckerreichen Bienenweidepflanzen. Sie stammt aus dem atlantischen Nordamerika, wo sie in Laubwäldern wächst und eine Höhe von bis zu zwanzig Metern erreichen kann.

Bereits Anfang des 17. Jahrhunderts kam die Robinie, die damals noch die Bezeichnung Acacia americana vulgaris trug, nach Europa. Jean Robin, französischer Hofgärtner, zog aus dem Samen, den er sich aus Amerika hatte mitbringen lassen, die ersten Bäume. Wegen der Schönheit ihrer üppigen Blütenstände und der gefiederten Blätter wurde das Gehölz schnell eine Zierde in Parks und ein attraktiver Alleebaum.

Der schwedische Naturforscher Carl von Linné benannte die „Amerikanerin“ in Robinia pseudoacacia um. Mit dem Gattungsnamen wollte er Jean Robin ehren, der zweite Begriff „falsche Akazie“ sollte darauf hinweisen, dass die Robinie wegen ihrer Blätter und traubenförmigen Blütendolden zwar an echte Akazien erinnert, aber eine nahe Verwandtschaft eher nicht gegeben ist. Denn die Familie der Hülsenfrüchtler, zu der beide Bäume gehören, umfasst etwa 17 000 Arten. Außerdem hat die echte Akazie ihr Verbreitungsgebiet im tropischen und subtropischen Klima, während der Robinie die gemäßigten Temperaturen der winterkahlen Laubwälder besser gefallen. Doch für die meisten Gärten ist die Robinia pseudoacacia zu groß. Und so sind im Handel einige empfehlenswerte kleinwüchsige Kulturformen.

Durch Kreuzung von Robinia pseudoacacia mit Robinia kelseyi entstand 1915 Robinia x slavinii, die sich zu einem locker aufgebauten Gehölz mit rosa Blüten entwickelt. Angeboten wird allerdings nur die Sorte ,Hillieri‘, ein eleganter kleiner Baum mit rundlicher Krone. Die Blüten erscheinen Ende Mai, sind lilarosa und duften zart. Diese Sorte eignet sich gut für kleine Gärten.

Aus dem südlichen Nordamerika stammt die Borstige Robinie (Robinia hispida), ein Strauch von ein bis eineinhalb Metern Höhe. Die Blätter sind im Austrieb leicht rötlich getönt und bestehen aus sieben bis 13 runden Einzelblättern. Im Juni erscheinen die purpurfarbenen oder rosa gefärbten Blüten, die in kurzen borstig behaarten Trauben sitzen. Bei dieser Art handelt es sich um einen sehr attraktiven Strauch, der nach der sommerlichen Hauptblütezeit bis zum September immer wieder blüht. Leider hat die Borstige Robinie sehr brüchiges Holz. Deshalb pflanzt man sie besser an eine sonnige Hauswand, wo die Zweige durch ein Spalier gehalten werden. Diese Art der Pflanzung ist nicht nur praktisch, sondern sieht auch sehr schön aus. Nicht ganz so bruchanfällig ist die Sorte ,Macrophylla‘. Sie entstand 1825 in Frankreich und wird eineinhalb bis drei Meter hoch. Die Zweige sind nicht so borstig wie bei der anderen Art, sondern nur weich behaart. Ihre Blüten sind dunkelrosa und etwas größer, die Blütenfülle ist dagegen etwas geringer als bei der Wildart.

Sehr reich blüht dagegen die Klebrige Robinie (Robinia viscosa), die in den sommerwarmen Laubwäldern des östlichen Nordamerika beheimatet ist. Sie hat eine lockere Krone mit dünnen abstehenden Ästen und rotbraun gefärbten Zweigen. Die Blätter sind aus zahlreichen stumpfen oder spitzen Blättchen zusammengesetzt, die auf der Oberseite dunkelgrün sind. Sie können 25 Zentimeter lang werden. Von Mai bis Juni erscheinen die zwei Zentimeter langen rosafarbenen, duftlosen Blüten, die in den reichlich vorhandenen Trauben vereint sind.

Robinia ,Casque Rouge‘ ist eine Hybride unbekannter Herkunft. Sie wird strauchförmig oder einstämmig gezogen und ist für den Garten sicher eine der schönsten Formen. Die Pflanze treibt bronzefarben aus und entwickelt bis zum Sommer lange Blätter. Sehr attraktiv sind die hängenden Trauben, die im Mai und Juni erscheinen und aus zahlreichen, tief rosafarbenen Blüten bestehen.

Alle Robinien sind wärmeliebend und sehr lichthungrig, weshalb man sie an einen vollsonnigen Platz pflanzen sollte. An den Boden stellen sie keine großen Ansprüche und gedeihen auch auf leichten, trockenen Böden noch gut. Infolge der Symbiose mit Stickstoff sammelnden Bakterien sind sie sogar in der Lage, schlechten Boden zu verbessern. Gut vertragen Robinien auch kalkhaltigen Boden. Allerdings sind sie empfindlich gegen Bodenverdichtung und gedeihen auf undurchlässigen, schweren nassen Böden schlecht.

Ein Nachteil der Robinien ist die Brüchigkeit des Holzes. Besonders bei Sturm oder Schneedruck brechen die Äste leicht ab. Da aber alle Arten ein hohes Regenerationsvermögen haben, lassen sie sich in solchen Fällen radikal zurückschneiden. Auch bei älteren Pflanzen ist dieser Korrekturschnitt problemlos möglich, da mit einem kräftigen Neutrieb zu rechnen ist. Allerdings sollte man unter normalen Umständen keine gravierenden Eingriffe vornehmen, da ein starker Rückschnitt auch einen starken Durchtrieb zur Folge hat. Dadurch verliert die Krone ihren natürlichen Aufbau und die typische, malerische Form.

In allen Teilen der Pflanze sind verschiedene Gifte vorhanden, die bei Mensch und Tier unter anderem Durchfall, Erbrechen, Erhöhung der Puls- und Atemfrequenz sowie Schlafsucht hervorrufen. Da auch die Rinde diese Giftstoffe enthält, besteht auch für Tiere, die an Robinen angebunden werden, die Gefahr der Vergiftung, wenn sie am Baum knabbern.

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