Zeitung Heute : Blütenpracht auf der Fensterbank

Orchideen gehören zu den beliebtesten Zimmerpflanzen – vor allem auch im Winter.

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Vor allem im Winter gehören Orchideen zu den beliebtesten Zimmerpflanzen. Das liegt an ihrer reichen Blüte und ihren geringen Ansprüche bezüglich der Helligkeit. Das Angebot nimmt ständig zu und immer mehr klein bleibende Kreuzungen mischen sich zwischen das allgemein bekannte Sortiment von Gattungen wie Phalenopsis, Paphiopedilum, Cymbidium, Cattleyen, Dendrobium und anderen. Damit auch größere Pflanzen nicht zu eng stehen, sollte das Fensterbrett wenigstens 20 Zentimeter tief sein. Günstiger sind 30 oder 40 Zentimeter Tiefe. Die Lage der Fenster ist für die Auswahl der Pflanzen von Bedeutung. Ebenso sind die Temperaturen für eine erfolgreiche Kultur mit zuverlässiger Blüte wichtig.

FENSTER MIT NORD-, NORDOST- ODER NORDWESTLAGE

Aus den Wäldern von Südchina über Singapur bis Sumatra kommt eine kleine Orchidee namens Haemaria discolor, die dort im Humus des Waldbodens gedeiht. Sie bildet einen aufrechten bis niederliegenden Spross mit eiförmigen, olivgrünen Blättern, die von einem silbrigen Mittelnerv geziert werden. Der aufrecht stehende, bis 25 Zentimeter hohe Blütenstand mit kleinen, duftenden weißen Blüten erscheint von Oktober bis März. Man sollte die Pflanze gleichmäßig feucht halten, die Zimmertemperatur sollte nicht unter 16 Grad Celsius sinken.

Auch die wunderschöne Calanthe (Calanthe vestita) aus Indochina und Malaysia eignet sich für Fenster in Nord-, Nordost- oder Nordwestlage. Sie gehört zur Untergattung Preptanthe, die dicke Pseudobulben bildet, sommergrün ist und ihre Blätter nach der Blütezeit abwirft. Von Herbst bis Frühjahr erscheint der Blütenstand mit rot-weißen Blütenrispen. Nach der Blüte schließt sich eine Ruheperiode an. Erkennbar ist dieser Zeitpunkt mit dem Vergilben und Abwerfen der Blätter. In dieser Zeit hält man die Pflanze vollkommen trocken. Mit Erscheinen des Neutriebes ist die Ruhezeit beendet. Dann topft man die Pflanze aus, trennt die Rückbulben ab und pflanzt sie in ein neues handelsübliches Orchideensubstrat. Im Winter sollten die Temperaturen zwischen 15 und 18 Grad Celsius liegen, die Pflanzen gleichmäßig feucht gehalten werden.

Mit sehr großen Blüten begeistern die Miltonien (Miltonia-Hybriden), die man gelegentlich auch „Stiefmütterchen-Orchidee“ nennt. Sie sind meist leuchtend rot, aber auch weiß oder rosa mit schöner Zeichnung auf der Lippe. Damit sie regelmäßig blühen, sollten die Temperaturen im Winterhalbjahr bei 15 Grad Celsius und im Sommerhalbjahr bei 20 Grad Celsius liegen. Gleichmäßige Ballenfeuchte, die während der Vegetationsruhe etwas verringert wird, sorgt für zuverlässigen Blütenansatz.

Ähnliche Ansprüche stellt die Krause Zahnzunge (Odontoglossum crispum). Mit großen weißen Blüten, gekrausten Blütenblättern und rot-gelber Lippe ist sie sehr attraktiv. Obwohl die Hauptblütezeit im Frühling liegt, kann sie auch zu anderen Zeiten blühen. Sie gedeiht am besten bei Wintertemperaturen zwischen zehn und 15 Grad Celsius, im Sommer möchte sie maximal 20 Grad Celsius bei halbschattigem Standort haben.

FENSTER MIT SÜD-, OST- ODER WESTLAGE

Manche Orchideen brauchen zum Blühen mehr Licht. Doch auch sie dürfen im Sommer nicht der prallen Mittagssonne ausgesetzt werden. Ohne Schattenvorrichtung eignen sich Ostfenster, bei Westfenstern sollte man die Pflanzen im Sommer vor der Mittagssonne schützen.

Eine der bekanntesten Zimmerorchideen ist Coelogyne cristata aus Nepal, wo sie in Höhen zwischen 1500 und 2500 Meter vorkommt. Vom Winter bis zum zeitigen Frühjahr erscheint der prachtvolle, leicht hängende Blütenstand mit reinweißen, acht Zentimeter Durchmesser erreichenden Blüten. Während der Blüte im Winter sollten die Temperaturen zwölf bis 16 Grad Celsius betragen, danach kann die Pflanze auch kühler stehen. Im Sommer bekommt ihr ein Aufenthalt an einem halbschattigen Platz im Freien. Man hält den Wurzelballen während der Wachstumsphase gleichmäßig feucht, ab Oktober bis zum Erscheinen der Blüte oder neuer Triebe trockener.

Wenig bekannt, aber interessant in der Blüte ist Coelogyne massangeana. Sie lenkt – mit kleinen Blühpausen – fast das ganze Jahr die Blicke auf den cremefarbenen, bräunlichen Blütenstand, der lang herunterhängt. In der Heimat von Thailand bis Java kann dieser bis zu 70 Zentimeter lang werden, in Kultur ist etwa die Hälfte zu erwarten. Diese Orchidee kultiviert man deshalb besser in einer Ampel. Gleichmäßige Ballenfeuchtigkeit das ganze Jahr über und Temperaturen um 20 Grad Celsius genügen; sinkt die Temperatur nachts um zwei bis drei Grad, bildet sie mehr Blüten.

Eine wunderschöne Orchidee aus Mexiko und Guatemala ist Rossioglossum grande. Ihr Markenzeichen sind große gelbe Blüten mit braunroter Querbänderung. Sie erreichen einen Durchmesser von zwölf Zentimetern und erscheinen zu mehreren in kurzer Rispe zwischen September und Dezember. Wichtig ist eine kühle Ruheperiode nach der Blüte mit Temperaturen zwischen zwölf und 15 Grad Celsius, in der die Pflanzen auch trockener gehalten werden. In der übrigen Zeit können die Temperaturen auf über 20 Grad Celsius steigen, wobei für gleichmäßige Ballenfeuchte zu sorgen ist. Ähnlich sind die Ansprüche von Zygopetalum crinitum und Zygopetalum mackay, beides sehr geschätzte Topfpflanzen mit attraktiven Blüten. Allerdings eignen sie sich eher für breitere Fensterbänke, da die Pflanzen größer werden.

WÄSSERN, DÜNGEN UND VERPFLANZEN

Orchideen sollten nur mit kalkarmem Wasser (Regenwasser oder entkalktem Leitungswasser) gegossen werden. Müssen sie bei kühlem Stand trockener gehalten werden, reicht oft das Besprühen der Pflanze oder des Wurzelballens. In der Vegetationsperiode empfiehlt sich, das Gefäß mit der Pflanze wenigstens einmal pro Woche für einige Minuten in Wasser zu tauchen. Da Orchideen salzempfindlich sind, ist das Düngen mit Mineraldünger eher schädlich. Besser sind organische Dünger, die in Wasser verrührt werden. Sie können zu Beginn der Wachstumsphase mit ein wenig (etwa 1 g/5 l Wasser) Volldünger angereichert werden. Die meisten Orchideen brauchen sehr durchlässiges Substrat. Das Verpflanzen ist nach zwei bis drei Jahren nötig, wenn das Substrat so weit verrottet ist, dass die Luftdurchlässigkeit nachlässt.

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