Zeitung Heute : BMW: Als letzter neuer 3er kommt der Compact

Ingo von Dahlern

So lange wie beim 3er-BMW hat bislang noch kein Generationenwechsel in der Mittelklasse gedauert. Denn BMW hat diesen Wechsel von der vierten zur fünften Generation auf insgesamt vier Jahre verteilt. Erste Etappe war bereits 1998 der Ersatz der Limousine durch den Nachfolger. Die zweite Etappe erreichte mit dem Coupé im Frühjahr 1999 das Ziel. Dann folgte der traditionell Touring genannte Kombi und erst in diesem Jahr ging auch das Cabrio der fünften 3er-Generation an den Start. Nachdem inzwischen auch das Spitzenmodell M3 sein Debut gegeben hat, fehlt jetzt nur noch eine Variante: der 3er als Compact.

Über ihn sind nun die ersten detaillierten Informationen verfügbar und nach seinem ersten öffentlichen Auftritt im März 2001 in Genf wird er schon bald darauf bei den Händlern eintreffen. Eine interessante Strategie, mit der es BMW gelungen ist, den 3er und dessen neue Generation über Jahre permanent im Gespräch zu halten und dabei auch die noch im Gewand der vierten Generation gefertigten Varianten nicht alt aussehen zu lassen.

Mit 4,19 Meter ist der neue Compact genau 28 Zentimeter kürzer als die Limousine, die mit 4,47 Meter noch zwei Zentimeter weniger misst als das Coupé. Da der Radstand von Compact und Limousine mit gut 2,72 Meter identisch ist, bedeutet das für den Compact erheblich kleinere Überhänge, wobei man den größten Teil am Heck abgezwackt hat. Doch man hat sich nicht darauf beschränkt, den neuen Compact lediglich kürzer als die Limousine zu machen. Denn man hat ihm zugleich eine durchaus eigenständige Linie gegeben. Das gilt nicht nur für die Silhouette, sondern vor allem auch für die Front mit vier Einzelscheinwerfern, die sich merklich von den Frontpartien der übrigen 3er-Varianten unterscheidet und das hohe Stummelheck mit seinen mit Klarglasabdeckungen versehenen Rückleuchten.

Obwohl der neue Compact noch zwei Zentimeter kürzer als sein Vorgänger ist, bietet er angesichts des um diesen Betrag gewachsenen Radstandes messbar mehr Innenraum. Und der soll im neuen Compact sehr viel bequemer zugänglich sein als beim jetzt zur Ablösung anstehenden Vorgänger. Das gilt zum einen für den Durchgang zum Fond mit seinen drei vollwertigen Sitzen, das gilt vor allem aber für den Zugang zum Laderaum, der dank seiner großen Heckklappe und der vorklappbaren Rückbank nach Angaben von BMW sogar "eine Waschmaschine" aufnehmen kann.

Identisch mit den übrigen 3er-Versionen ist auch beim Compact das Fahrwerk. Allerdings ist es mit Blick auf die sportliche Linie des neuen Compact betont sportlich abgestimmt. Und dazu gibt es auch gleich die passenden Motoren. Starten wird der neue Compact mit zwei Aggregaten. Das eine ist im 316ti ein neuer 1,8-Liter, der es auf eine Leistung von 103 kW (140 PS) bringt: der ist ein in England gebauter Leichtmetall-Vierzylinder, mit dem BMW eine neue Technik in den Motorenbau einführt - die Valvetronic. Bei ihr wird die Funktion, die bei Benzinern normalerwiese die Drosselklappe hat, von den Ventilen übernommen, deren Hub variabel gestaltet wird. Mit Hilfe der Drosselklappe regeln Ottomotoren die Leistung, die sie abgeben. Wird weniger Leistung verlangt, dann wird weniger zündfähiges Gemisch in die Brennräume geleitet - durch Schließen der Drosselklappe.

Diese Drosselung bei Teillast kostet allerdings Energie. Ein Problem, das der Diesel nicht hat, denn er arbeitet nicht mit Quantitätssteuerung wie der Ottomotor, sondern mit Qualitätssteuerung durch Veränderung der Einspritzmenge. Mit der von BMW entwickelten Valvetronic lassen sich künftig auch beim Benziner die Drosselverluste weitgehend vermeiden. Denn bei dieser Maschine wird mit Hilfe einer raffinierten elektronisch angesteuerten Mechanik je nach Last der Ventilhub und mit ihm die Gemischmenge verändert. Durch den Entfall der Drosselverluste ist ein Motor mit der neuarigen Valvetronic dank seines höheren Wirkungsgrads um rund zehn Prozent sparsamer als ein konventioneller Benziner mit Drosselklappe. BMW wird diese Technik, die im neue 3er Compact ihre Premiere erleben wird, schon bald auch bei seinen großen V8- und V12-Motoren einsetzen.

Zweites Triebwerk bei Einführung des neuen 3er Compact wird der bewährte 2,5-Liter-Sechszylinder mit 141 kW (192 PS) im 325ti Compact sein. Später wird BMW das Motorenprogramm durch einen echten 316 mit einer 1,6-Liter-Maschine ergänzen und auch ein moderner direkt einspritzender Turbodiesel wird angeboten werden - der Motor des 320d nämlich. Die Preise für den 3er Compact wird BMW erst im nächsten Jahr kurz vor der Markteinführung bekannt geben. Doch schon heute steht fest, dass die Compact-Versionen wie schon bisher wieder etwas weniger kosten werden als die entsprechenden Limousinen.

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