Zeitung Heute : BMW: Compact - der kurze Dreier

Er ist der kleinste und der letzte der neuen 3er-Generation - der 3er Compact, der kurze Schrägheck-BMW im Format der Golf-Klasse. 1994 wagte BMW mit einem Auto mit angetriebenen Hinterrädern den Sprung in eine der populärsten und von Fronttrieblern beherrschte Fahrzeugklasse und landete erfolgreich. Denn rund jeder fünfte 3er der letzten Generation, den BMW verkaufte, war ein Compact. Insgesamt wurden von dieser Variante zwischen März 1994 und September 2000 rund 400000 Exemplare gebaut. Beste Voraussetzungen also, diesen Weg weiterzugehen. So rollt im Juni die zweite Generation des Compact zu den Händlern.

Die ist noch konsequenter als der Vorgänger ein Auto mit eigenem Auftritt. Dafür sorgt schon die Karosserieform mit dem kurzen hohen Heck. Doch BMW geht noch einen Schritt weiter. Denn der Compact hat auch sein eigenes Gesicht. Statt sich unter einer gemeinsamen Abdeckung zu verstecken, treten die Haupt- und Fernscheinwerfer hier getrennt auf. Und auch die Heckleuchten als runde Einzelleuchten unter einer dreieckigen Abdeckung haben ihren eigenen Charakter.

Verschwunden sind dagegen einige für das Auge verborgene Unterschiede zwischen dem 3er Compact der ersten Generation und den übrigen Modellen. Denn der nun abgelöste Compact hatte eine andere Plattform als die längeren 3er und statt deren Hinterachse die bewährte und konsequent optimierte Schräglenkerachse der früheren 3er-Generation mit ihren bekannt guten Qualitäten. Diese Plattform wurde dann übrigens auch Basis für den Roadster Z3. Nun also sind die Hinterachsen aller 3er einschließlich Compact identisch.

Allerdings nur in der Grundkonstruktion. Denn bei der Abstimmung ergeben sich spürbare Unterschiede. Hier nämlich setzt BMW für den Compact mit etwas strafferer Kennung von Federung und Dämpfung konsequent auf einen sportlichen Auftritt des kleinsten Dreiers. Den hat man auch bei zügig-flotter Kurvenfahrt jederzeit sicher im Griff, kann erleben, was BMW unter Fahrvergnügen versteht. Und wenn man sich wirklich einmal verschätzt oder auch die eigenen Fähigkeiten ein wenig überschätzt hat, dann sorgt, so lange man nicht die Grenzen der Physik überschreitet, die Fahrdynamikregelung DSC (Dynamische Stabilitätskontrolle) dafür, dass daraus kein Unglück wird. Erfreulich, dass trotz der sportlichen Note der Komfort dieses Autos nicht gelitten hat, das präzise den Einschlägen der ein wenig direkter ausgelegten Lenkung folgt.

Innen ist der Compact ein echter 3er mit einer Armaturentafel, die wie die übrige Ausstattung den Limousinen entspricht. Ein wenig verändert sind allerdings die Platzverhältnisse. Denn seine Karosserie ist mit 4,26 Meter immerhin 21 Zentimeter kürzer als die der Limousine. Verglichen mit dem Vorgänger ist sie allerdings auch jeweils fünf Zentimeter länger und breiter und eineinhalb Zentimeter höher, was bei einem Radstand von knapp 2,73 Meter ein wenig mehr Platz als im ersten 3er Compact bedeutet. Doch obwohl dieses Auto als Fünfsitzer zugelassen ist, sollte man sich nicht täuschen lassen. Für drei Erwachsene wird es hinten besonders beim Schulterraum doch ein wenig knapp. Ordentlich ist dank der breiten Türen und der vom Coupé übernommenen Einstiegshilfe der Zugang zu den Fondplätzen. Ordentlich für die Klasse ist auch der Gepäckraum von 310 Liter, der sich bei Bedarf durch Vorklappen der asymmetrisch geteilten Rückbank auf 1100 Liter erweitern lässt und den Vorgänger sogar um 70 Liter übertrifft. Ordentlich ist auch die große Heckklappenöffnung, durch die man auch sperriges Ladegut ins Innere des Compact befördern kann. Und hilfreich für gute Sicht nach hinten sind die umklappbaren Kopfstützen im Fond.

Mit zwei Motorvarianten geht der 3er Compact in zwei Monaten an den Start. Ein guter Bekannter, der nun auch beim kleinsten 3er Einzug hält, ist dabei das Spitzentriebwerk im 325ti. Der bewährte Reihensechszylinder mit seinen 141 kW (192 PS) und einem höchsten Drehmoment von 245 Nm macht den Wagen zu einem echten kompakten Sportler, der binnen 7,1 Sekunden Tempo 100 und maximal 235 km/h erreicht. Ein überzeugendes Beispiel für souveräne Kraftentfaltung, die mit einem erfreulich niedrigen Spritkonsum verwirklicht wurde, denn der Durchschnittsverbrauch des so flotten 325ti liegt bei nur 8,9 l/100 km.

Dem hohen Leistungsvermögen dieses Motors entsprechen denn auch die Bremsen des Compact - kräftig dimensionierte Scheiben mit 30 Zentimeter Durchmesser beim Spitzenmodell und 28,6 beim 316ti Compact. Einem Auto, dessen Motor eine Revolution im Motorenbau darstellt. 85 kW (115 PS) leistet der 1,8-l-Vierzylinder-Vierventiler, der den 316ti in nur 10,9 Sekunden Tempo 100 und maximal Tempo 201 erreichen lässt und trotzdem nur 6,9 l/100 km verbraucht. Sein Geheimnis ist die Leistungssteuerung ohne Drosselklappe lediglich durch Variation des Ventilhubs. Ein eigentlich einfaches Prinzip, an dessen Verwirklichung Motorenentwickler schon seit Jahrzehnten tüfteln. BMW hat es nun als erster Motorenbauer als "Valvetronic" in die Praxis umgesetzt und sollte das viel deutlicher herausstellen, statt so bescheiden zu sein, wie man es derzeit ist.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben