Zeitung Heute : …Bodo Ramelow?
„Namen sind Nachrichten“, besagt ein ehernes Gesetz im Journalismus. Bodo Ramelow (49) könnte nach der Wahl Vorsitzender der Linkspartei/PDS werden. Wäre das eine gute Nachricht? Wir überprüfen täglich die Amtstauglichkeit eines Spitzenpolitikers – bis zur Wahl.
AMT: Noch ist Lothar Bisky Vorsitzender der PDS. 2003 musste er, nach dreijähriger Auszeit in der brandenburgischen Landespolitik, nochmal auf den Posten, um der bei der Bundestagswahl 2002 gescheiterten Partei Wege aus der Krise zu weisen. Bisky, inzwischen 64 Jahre alt, macht kein Geheimnis daraus, dass er bald in den Ruhestand möchte. In seinem zu Jahresanfang erschienenen Buch „So viele Träume“ schrieb er über die „schöne Aussicht“: „Wenn wir den Einzug in den Bundestag in Fraktionsstärke schaffen, gönnen mir alle endlich Ruhe“.
Die potenziellen Nachfolger laufen sich schon jetzt warm – und Bodo Ramelow, Wahlkampfchef der Linkspartei, ist ganz vorn mit dabei. Die Regie auf dem Bundesparteitag am Samstag in Berlin war jedenfalls ganz auf seiner Seite. Ramelow kam gleich nach Bisky, der ein schlechter Redner ist, ans Pult. „So viel links war nie“, rief Ramelow, und kündigte an, die Linkspartei werde dem „neoliberalen Zeitgeist ein supergroßes Stoppschild“ entgegensetzen. Den Saal brachte er in Wallung – nicht der Vorsitzende Bisky.
AMBITIONEN: Na klar. Ramelow versteht es, sich nach oben zu arbeiten. Der gebürtige Niedersachse, aufgewachsen in Rheinhessen, baute nach der Wende die Gewerkschaft HBV in Thüringen auf. Und mischte sich dort bald in die politische Szene ein. Stets mit einer Emaille-Friedenstaube am Revers und einem Stecker im Ohr versteht er, sich selbst zu vermarkten. 1997 war er einer der Initiatoren der „Erfurter Erklärung“, in der Prominente aus Ost und West SPD, Grüne und PDS zur politischen Zusammenarbeit aufforderten: „Sie dürfen der Verantwortung nicht ausweichen, sobald die Mehrheit für den Wechsel möglich wird“. Am Sinngehalt der „Erfurter Erklärung“ habe sich bis heute nichts geändert, meint er. Für Ramelow ging es dann in der PDS aufwärts. 1999, gerade mal ein paar Monate Parteimitglied, kandidierte er für den Erfurter Landtag, zwei Jahre darauf wurde er Fraktionschef. Unter seiner Regie klappte es, aus Thüringens PDS, einer Gruppe von Ostalgikern, eine linke Volkspartei zu machen. 2004 wurde die PDS im Erfurter Landtag zweitstärkste Fraktion und fast doppelt so stark wie die SPD. So qualifiziert sich einer. Bevor klar war, dass Gregor Gysi wieder für den Bundestag kandidiert, genoss es Ramelow, als „Ersatz-Gysi“ gehandelt zu werden. Am Wort populistisch stört er sich übrigens nicht.
AUSSICHTEN: Gregor Gysi ist früh auf Ramelow aufmerksam geworden, und der versteht was von Kaderpolitik. Auf dem PDS-Parteitag am Samstag geriet Gysi richtig ins Schwärmen über den „lebendigen Organisator“ Ramelow: „Er macht es engagiert, er macht es gut, ich bewundere ihn.“ Was den Genossen gefällt: Er erweitert ihr Spektrum, ist selbst gläubiger Protestant, hat Ost- und Westkompetenz. Ramelow hat an vorderster Front das Bündnis mit der WASG zusammengezimmert, darauf geachtet, dass alles juristisch wasserdicht ist. Dabei machte er sich als knallharter Verhandler freilich nicht nur beliebt. Als „politischer Sandkastenrambo allererster Güte“ wurde Ramelow mal vom WASG-Vorsitzenden Thomas Händel beschimpft. Und dann sind da noch die Neider in der PDS – Dietmar Bartsch und Petra Pau etwa, die früher schon mal Chef werden wollten. Jetzt will Bisky erst mal die Fusion mit der WASG auf den Weg gebracht wissen, bevor er sich zu möglichen Nachfolgern äußert. „Schweigen ist Gold“, sagt er, nachdem im Streit um die Nachfolge 2000 die PDS-Führung fast auseinander geflogen war. Ramelow muss also nur Geduld haben.
WAHRSCHEINLICHKEIT: Der Mann ist bei der PDS im Kommen.





