Zeitung Heute : Börsenkurse als Pausenfüller

PETER ZSCHUNKE (AP)

Bildschirmschoner mit neuen Aufgaben / News aus dem Netz Von PETER ZSCHUNKE (AP)­Eigentlich sind Bildschirmschoner out: Moderne PC-Monitore sind so gut, daß sie stundenlang dasselbe Bild anzeigen können, ohne einzubrennen.Doch jetzt haben Bildschirmschoner eine ganz neue Aufgabe bekommen.Wenn der PC eine Weile nicht benutzt wird, zeigen sie statt fliegender Toaster oder anderer ulkiger Bilder die neuesten Nachrichten und aktuelle Börsenkurse aus dem Internet an. Damit bekommt das weltweite Computernetz einen völlig neuen Charakter: Die gewünschten Informationen müssen nicht mehr umständlich gesucht und aus dem Wust von Millionen Web-Seiten herausgezogen werden, sondern kommen frei Haus. "Wenn Sie beim Mittagessen sind oder ihr Computer sonst gerade nichts zu tun hat, können sie beobachten, wie die neuesten Schlagzeilen auf Ihrem Bildschirm auftauchen!" So wirbt die kalifornische Firma PointCast (www.pointcast.com) für ihr Informationsnetz ­ mit Erfolg: Mehr als 1,7 Millionen Menschen haben das Pointcast-Programm heruntergeladen. Dann wählen die Anwender die sie interessierenden Informationen aus.Zur Verfügung stehen sieben Kanäle: Nachrichten, Wetter, Sport, Lifestyle, Unternehmen, Industrie, Internet.Ferner gibt es eine Auswahl von Berichten aus Magazinen wie "Money", "Time" oder "Wired" sowie Regionalnachrichten von Tageszeitungen.Taucht in einem Text eine Internet-Adresse auf, stellt ein Mausklick die entsprechende Verbindung her und zeigt die Web-Seite an. Im Unternehmen-Channel können bis zu 25 an der Wallstreet notierte Gesellschaften mit ihren offiziellen Abkürzungen angegeben werden.Deren Kurse werden dann regelmäßig angezeigt.Das Angebot beschränkt sich bislang weitgehend auf amerikanische Inhalte.Es ist aber wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch Programme für andere Länder entwickelt werden.Einen ersten Ableger gibt es bereits für Kanada. Nach dem Download der 4,3 Megabyte großen Datei und ihrer Installation gibt der Anwender an, wie oft er das PointCast-Programm empfangen will.Bei einer Standleitung ins Internet, wie sie wohl nur in Unternehmen anzutreffen ist, werden die Informationen immer dann aktualisiert, wenn der PC untätig ist.Ansonsten wird im Menü des Programms angekreuzt, wann und wie oft das Angebot übertragen werden soll.PointCast wählt dann automatisch den angegebenen Internet-Provider an, schickt die Daten durch die Telefonleitung und legt wieder auf.Dies ist nicht ganz neu, da auch schon Offline-Reader für den Online-Dienst CompuServe so arbeiten. Besser gelöst ist aber die Präsentation der Informationen.Diese werden so auf dem Bildschirm dargestellt, daß der Anwender zwischen den einzelnen Kanälen umschalten kann.Gut ein Zehntel der Fläche wird von Werbung eingenommen, mit der das Ganze bezahlt und wohl auch ein ganz netter Gewinn erwirtschaftet wird.Inzwischen bietet PointCast auch eine spezielle Version seines Programms für firmeneigene Intranets an ­ statt der persönlichen Nachrichtenauswahl kommen dann die aktuellen Firmenmeldungen auf den Bildschirm. Das 1992 gegründete Silicon-Valley-Unternehmen PointCast hat dem Bildschirmschoner-Spezialisten Berkeley Systems gezeigt, daß der Monitor in Ruhepausen mehr anzeigen kann als ein Aquarium oder den Flug durch einen Sternenhimmel.Inzwischen hat Berkeley Systems nachgezogen und "After Dark Online" präsentiert."Die Nachrichten kommen zu ihnen, ohne daß sie einen Finger rühren müssen", verspricht die Werbung im Internet (www.afterdark.com).Auch hier werden Informationen wie Kurznachrichten, Börsenkurse oder Sportergebnisse von Zeitungen und Informationsdiensten geliefert.Der Download von After Dark Online ist mit 2,2 Megabyte etwas schlanker als bei PointCast.Außerdem ist zu beachten, daß After Dark nur unter Windows 95 oder auf einem Macintosh läuft.Bei PointCast wird auch Windows 3.1 unterstützt, eine Mac-Version ist in Vorbereitung. Von den Profis milde belächelt, aber von den Privatanwendern geliebt, standen Bildschirmschoner bisher nicht gerade an der vordersten Hi-Tech-Front.Jetzt aber wird ihre weiterentwickelte Technik sogar in Betriebssysteme eingebaut.Microsoft hat das Push-Prinzip in seinen Internet Explorer 4.0 integriert.Auch Konkurrent Netscape geht mit Net-Casting in diese Richtung.

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