Zeitung Heute : Bonus fürs Klima

Dagmar Dehmer

Umweltminister Gabriel ist zu Verhandlungen über ein Klimaabkommen nach China gereist. Deutsche Firmen sollen dort in Umweltprojekte investieren, um ihre CO2-Bilanz aufzubessern. Was bringt das für den Schutz des Weltklimas?


Noch vor 2010 wird China die USA als größter Zerstörer des Weltklimas überholen. Davon geht die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris in ihrem Energieausblick 2006 aus, der vor kurzem veröffentlicht wurde. Dann wird China mehr Kohlendioxid (CO2) an die Atmosphäre abgeben als die USA, die bisher einsam an der Spitze liegen. Grund: Die chinesische Wirtschaft wächst in atemberaubendem Tempo – und sie braucht viel Energie.

Zurzeit wird nach Angaben des deutschen Entwicklungsministeriums in China jede Woche ein neues Kohlekraftwerk zur Stromerzeugung fertiggestellt. Oft mit Hilfe Deutschlands: Über Jahre war China der Hauptabnehmer für ausgediente Kohlekraft- oder Stahlwerke, die vollständig abgebaut und in China wieder aufgebaut wurden. Doch seit einigen Jahren versucht Deutschland, seine zweifelhafte Umweltreputation in China zu verbessern. Ein beachtlicher Teil der deutschen Entwicklungshilfemittel fließen nach Angaben des Ministeriums in die Sanierung von Kohlekraftwerken. In sechs Kraftwerken wurden inzwischen 13 Turbinen mit moderner deutscher Technik aufgerüstet, um die Wirkungsgrade der Kraftwerke zu erhöhen. Bei der Stromproduktion geht ein Großteil der eingesetzen Energie als Abwärme verloren. Alte Kohlekraftwerke haben Wirkungsgrade von 30 bis 35 Prozent – neue bringen es auf gerade mal 43 Prozent. Doch allein damit konnten jährlich 600 000 Tonnen CO2 vermieden werden. Zudem unterstützt Deutschland China mit mobilen Messwagen, um die vorhandenen Kraftwerke effizienter zu steuern. Sie sind oft nicht optimal eingestellt und bringen es nicht einmal auf die möglichen bescheidenen Wirkungsgrade von 30 Prozent.

Im Januar schickte Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD), der am Mittwoch nach China abgeflogen ist, seinen Staatssekretär Matthias Machnig, quasi als Vorhut, schon einmal nach China. Beim zweiten deutsch-chinesischen Umweltforum in Qingdao vereinbarten die beiden Länder bereits eine engere Kooperation im Umwelt- und vor allem im Klimaschutz. Damals wurden acht konkrete Projekte vereinbart: Zwei große Biogasanlagen sollen die Ausscheidungen von Schweinen beziehungsweise anderen intensiv gehaltenen Nutztieren zu Strom und Dünger verarbeiten. Die ersten chinesischen Windräder im Meer vor Qingdao werden mit deutscher Hilfe gebaut werden.

Nun will Gabriel im Vorfeld der deutschen Doppelpräsidentschaft der Europäischen Union und der G 8, den sieben wichtigsten Industrienationen und Russland, noch einmal nachlegen. Am Donnerstag nimmt er an einer Veranstaltung zum Saubere-Entwicklungs-Mechanismus (CDM) des Kyoto-Protokolls teil. Deutsche Firmen können in China in Effizienztechnologien investieren und bekommen dafür Klimagutschriften, mit denen sie ihre Minderungsverpflichtungen beim CO2-Ausstoß in Deutschland erfüllen können. Schon im Januar wurde ein bilaterales Abkommen zum CDM verhandelt. Allerdings wird es bei Gabriels Besuch noch nicht unterzeichnet. Dennoch macht sich die deutsche Wirtschaft große Hoffnungen auf gute Geschäfte. Der weltweite CDM-Markt wird von der Weltbank auf drei Milliarden Dollar geschätzt. Schon heute hat China daran einen Anteil von immerhin 44 Prozent.

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