Zeitung Heute : Bonus mit Nebenwirkung Wenn im Büro der Konkurrenzkampf tobt

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Firmenwagen sind toll, ebenso Laptops und Blackberries und wer freute sich nicht über einen dicken, an Leistung gebundenen Bonus? Erstaunlich nur, dass diverse Untersuchungen belegen, dass die Empfänger dieser Incentives den finanziellen Wert derselben meist dramatisch unterschätzen. Hinzu kommt, dass die Motivationsfunktion dieser ganzen Bonbons erfahrungsgemäß nicht lange anhält.

Reinhard K. Sprenger, Unternehmensberater und Bestsellerautor, beobachtet diese „Reparaturintelligenz“ der Unternehmen seit Jahren. Die Arbeitsbedingungen in vielen Betrieben seien extrem demotivierend, gleichzeitig werde „auf der Ebene des individuellen Motivationshaushaltes herumgedoktert.“ Wenn jemand auf einer Stelle neu anfängt, ist die Motivation ja zunächst einmal vorhanden, so Sprenger. Doch die Initiative werde ihnen ganz schnell abgewöhnt.

Erst wenn das Kind in den Brunnen gefallen, die Stimmung auf dem Tiefpunkt ist und Mitarbeiterbefragungen nur noch Zynismen zu Tage fördern, werden die Unternehmen aktiv. Dann fangen die Chefs an, die Leute wieder aus dem Loch zu ziehen, anstatt von Anfang an die Motivation zu erhalten. Was dann als Incentive-Programm startet, funktioniere allerdings meist nicht, so Sprenger: „Mich erinnert das immer an eine Drogenszene: Es müssen immer neue Belohnungen her, sonst bewegen sich die Leute gar nicht mehr.“

Die Nebenwirkungen sind dramatisch, findet der Berater. Das Kooperationsklima leidet, denn Incentives tragen die Marktmechanismen in den Betrieb. Dabei sind Unternehmen ja eigentlich mal entstanden, um die ständige Konkurrenz auf den Märkten auszuklammern und mittels Kooperation mehr zustande zu bringen als Einzelkämpfer es individuell vermögen. „Wer den Konkurrenzkampf ins Unternehmen zerrt, zerstört das Gemeinschaftsgefühl“, sagt Sprenger.

Im Grunde geht es hier um den uralten Gegensatz zwischen Selbststeuerung und Fremdsteuerung. Wer den Leuten Raum lässt zu wachsen, wird ganz ohne Motivationsrhetorik seine Ernte kriegen, wer glaubt, er müsse die Leistung selber aus den Wurzeln ziehen, steht jedoch bald mit leeren Händen da. Sprenger formuliert die entscheidende Frage: „Sehe ich einen Mitarbeiter als ein stetig zu belobigendes Kind an oder als einen Erwachsenen, der weiß was er will und kann?“

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