Zeitung Heute : Bonuspunkte für Besserwisser: Ein Marktplatz für das Expertenwissen der Internet-Gemeinde

Matilda Jordanova-Duda

Was tue ich bloß gegen die Stechmücken in der Regentonne, aber so, dass ich danach mit dem Wasser noch die Pflanzen gießen kann? Wer keine kundige Großmutter hat, wird im Internet - wo sonst? - suchen und unter den Stichworten "Stechmücke + Regentonne" Hunderte von Treffern landen. Die Frustrationen der zeit- und kostenaufwändigen Recherche kannten auch vier Mannheimer Studenten und starteten im März einen kostenlosen und interaktiven Wissens-Marktplatz.

Bei InfoSphinx kann jeder seine Fragen stellen, die möglichst in eine der Kategorien Computer, Business, Wissenschaften, Lifestyle und Kultur, Freizeit und Haushalt passen müssen. Das kostet nichts, und wahrscheinlich findet sich ein anderer Internet-Nutzer, der die richtige Antwort kennt. Denn jeder ist ja irgendwo ein Experte. Mehr noch: Die selbsternannten Experten wetteifern miteinander um die beste Antwort, weil es dafür Bonuspunkte und am Ende Sachpreise gibt. Mit Punkten belohnt werden die Antwortgeber von den Ratsuchenden selbst sowie von anderen Nutzern - je nachdem, wie viel sie mit der Information anfangen können. Dummes Zeug bekommt selbstredend keine Punkte. Jeder kann auch eine Liste von besonders verlässlichen Antwortgebern erstellen.

Dass die Leute der Werbung wenig vertrauen, aber der Mund-zu-Mund-Propaganda ihren ganzen Glauben schenken, ist bekannt. Viele Fragen drehen sich um Hard- und Software, Technik, Auto, Telefon- und Stromtarife. Aber auch um praktische Lebenshilfe: Wie kann ich meiner Liebsten eine Freude bereiten? Was macht ein Mädchen attraktiv? Fragen, auf die keine Frauenzeitschrift und nicht mal die beste Freundin eine Antwort weiß, die jedoch viele InfoSphinx-Teilnehmer aus der eigenen Lebenserfahrung beantwortet haben.

Es gibt Sachen, die wollte man schon immer wissen: Warum ist das Internet in FTP- und HTTP-Seiten geteilt? Und was zum Teufel macht ein Verhaltensforscher? Um seine Frage loszuwerden, muß der Nutzer sich anmelden, sich einen Namen geben und die Mail-Adresse hinterlassen, damit er vom Dienst benachrichtigt wird, wenn Informationen eintreffen. Lesen, was andere Mitmenschen beschäftigt, kann er auch so. Voraussetzung: Java und Cookies akzeptieren.

Tom Lawson, Mitgründer des Marktplatzes, ist vom großen Zulauf überrascht. Viele Nutzer lobten die Idee - auch per Telefon, was für eine virtuelle Gemeinde eher unüblich ist. Die Idee einer Wissens-Auktion ist an sich nicht ganz neu, und kollektiv sowie unentgeltlich entwickelte Online-Inhalte machen den kommerziellen Anbietern ernsthafte Konkurrenz. Der Stechmücken-Geplagte wurde übrigens auch erlöst: Er muß neben der Regentonne Tomaten pflanzen.Der Wissensspeicher im Netz

www.InfoSphinx.de

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