Zeitung Heute : Botschafter zweier Länder

Paul Dubois vertritt Kanada in Berlin und wirbt zu Hause für Deutschland

Lars von Törne

Es gibt Botschafter, für die ist der Aufenthalt in Deutschland nur eine Station unter vielen, ein beliebiges Land auf der diplomatischen Karriereleiter. Für Paul Dubois ist Deutschland eine Herzensangelegenheit, und das nicht nur, weil seine Frau Mechthild Dubois-Utters aus dem Ruhrgebiet stammt.

Als Paul Dubois vor 36 Jahren nach dem Schulabschluss das erste Mal nach Deutschland kam, war es ein anderes Land als das, in dem er heute als Botschafter arbeitet. „Es war nicht modern, nicht freundlich, sondern das Leben war hart und einfach“, erinnert er sich an die Zeit, als er in einer Zeche in Oberhausen jobbte, in Kneipen arbeitete und nebenbei Deutschkurse besuchte. „Ich bin wohl der einzige Botschafter, der mal Gastarbeiter war“, scherzt der 56-Jährige über jene Jahre.

In den 80er Jahren, bei seinem zweiten längeren Aufenthalt, erlebte Dubois ein gewandeltes Deutschland. Er war inzwischen Jurist geworden, in den diplomatischen Dienst gegangen und lebte mit seiner Frau und den zwei jungen Söhnen ein paar Jahre in Bonn, wo er in der kanadischen Botschaft arbeitete. Um jene vom Streit um den Nato-Doppelbeschluss geprägten vier Jahre zu beschreiben, genügt ihm ein Wort: „Mittelstreckenraketen“, sagt er lächelnd. Das waren die Jahre der Friedensbewegung, die Grünen waren gerade gegründet würden. Dubois lernte Petra Kelly, Joschka Fischer und Otto Schily persönlich kennen, beim ersten Parteitag der Grünen war er als Beobachter dabei.

„Es war eine faszinierende Zeit des Wechsels, auch in den transatlantischen Beziehungen“, erinnert sich Paul Dubois. Ein wenig erinnerte ihn die Entwicklung damals an die Situation in Kanada: Einerseits waren die USA weiterhin der große Garant für Sicherheit, andererseits wurde die Kritik an deren Außenpolitik immer lauter.

Seine dritte Deutschland-Phase, die bis heute andauert, begann Paul Dubois im vergangenen Jahr, als er nach Stationen in Bangkok, Abidjan und bei den Vereinten Nationen seiner Vorgängerin Marie Bernard-Meunier als Botschafter Kanadas in Deutschland folgte. „Es ist fantastisch zu sehen, wie modern und selbstbewusst Deutschland inzwischen geworden ist“, schwärmt Dubois. „Die jungen Deutschen fühlen sich gut in ihrer Haut und kennen ihre Geschichte.“ Mit Zuneigung und einer Spur freundlichen Spotts spricht er von deutschen Dauerdebatten, die ihn faszinieren, wie der über das Ost-West-Verhältnis. „Deutschland ist ein Land, das immer Themen braucht, sonst hat es keine Ruhe.“

Paul Dubois’ Ziel als Botschafter ist es, Kanada als modernes, vielfältiges Land darzustellen. Er will den Jugend- und Studentenaustausch verstärken und dafür werben, dass Kanada in Deutschland nicht nur als Naturparadies voller Bäume, Bären und Berge wahrgenommen wird. „Mein Geschäft ist es, das zu zeigen, was es bei uns noch gibt: Von der multikulturellen Gesellschaft über moderne Städte, Kunst, Industrie, Hochtechnologie bis hin zu guten Investitionsmöglichkeiten in der nordamerikanischen Freihandelszone.“ Auch hätten Kanada und Deutschland manch aktuelle Probleme gemeinsam, bei deren Bewältigung man voneinander lernen könne, vom Umgang mit Einwanderung bis zur Reform des Gesundheitssystems.

Nebenbei will Paul Dubois auch in die andere Richtung wirken und daheim in Kanada für ein realistisches Deutschlandbild werben. Das fällt ihm von Berlin aus leichter als damals in der alten Bundeshauptstadt, sagt er. „In Bonn war es immer schwierig, kanadische Politiker davon zu überzeugen, mal nach Deutschland zu reisen – jetzt kommen sie von sich aus, weil sie Berlin so spannend finden.“

Mehr Informationen über die Botschaft und Kanada: Botschaft von Kanada, Leipziger Platz 17, 10117 Berlin Tel.: (030) 20312-0, Internet: www.kanada.de.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben