Zeitung Heute : Bowling für Tom

Wie eine Mutter Berlin erleben kann

Heike Jahberg

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Mike Wolff

Das Eltern-Sein steckt voller Herausforderungen. Zu den größten Prüfungen, die Väter und Mütter alljährlich bestehen müssen, gehört das Ausrichten von Kindergeburtstagen. Das gilt vor allem für die bemitleidenswerten Erziehungsberechtigten, deren Kinder im Winter das fahle Licht der Welt erblickt haben. So wie wir. Unser Sohn Tom wurde vor acht Jahren am Heiligen Abend geboren. Damals fanden wir das noch romantisch. Heute sind wir schlauer. Falls Sie sich mit dem Gedanken tragen, Nachwuchs in die Welt zu setzen, sollten Sie unbedingt vorher auf den Kalender schauen. Vermeiden Sie bei Ihrer Terminplanung eine Entbindung an den Weihnachtsfeiertagen. Erstens sind die Krankenhäuser dann unterbesetzt, und zweitens wollen auch die Hebammen lieber am Weihnachtsbaum sitzen, statt stöhnende Mütter und aufgeregte Väter zu beruhigen. Aber was noch schlimmer ist: Mit einem kleinen Christkind haben Sie zeitlebens ein Party-Problem.

Bei uns gibt es Heiligabend für Tom zwar zwei Mal Bescherung, aber keine Party: Am Morgen darf unser Sohn seine Geburtstagsgeschenke auspacken, am Nachmittag die Weihnachtsgeschenke. Für eine Geburtstagsfeier oder große Festivitäten ist da wenig Raum. Als unser Sohn noch kleiner war, haben wir versucht, ihn über das Dilemma hinwegzutrösten. Wir haben ihm gesagt, der Gottesdienst am Heiligen Abend sei doch auch so etwas wie eine Geburtstagsfeier für alle, die an dem Tag geboren worden sind. Das hat nicht funktioniert. Im Gegenteil. Denn unser Süßer fürchtete, wir wollten ihn um seine Feier bringen. Um die richtige Party, mit vielen Spielen, vielen Geschenken und vielen Gästen.

Geburtstagsfeiern im Winter sind eine Qual. Vor allem, wenn die Kinder älter werden. Denn mit Topfschlagen und Kasperle-Theater können Sie Achtjährigen nicht mehr kommen. Man kann aber auch nicht drei Stunden lang in der Dezember-Kälte auf Schatzsuche gehen. Außerdem ist es um vier Uhr dunkel. Eltern von Winterkindern müssen daher erfinderisch sein. Vor allem darin, einen passenden Ort für die Party zu finden. Der vorletzte Geburtstag, zu dem Tom eingeladen war, fand bei McDonald’s statt, der letzte auf der Schlittschuhbahn. Allerdings gibt es auch exotischere Varianten. Zum Beispiel Schnitzeljagden auf Friedhöfen – zum Glück ohne uns.

Wir sind bowlen gegangen. Das ist ein gutes, einfaches Arrangement. Man bucht pauschal, kann ausreichend lange kegeln, anschließend gibt es Pommes, Burger oder Chicken Wings, und die Feier ist vorbei. Die Kinder sind satt und müde, und wir Eltern haben ein weiteres Jahr überstanden. Ein weiteres Jahr? Nicht ganz. Denn im März sind wir schon wieder dran, mit Linda. Die wird dann vier Jahre alt. Und will natürlich auch eine fetzige Party. Die soll sie haben – mit voll coolem Topfschlagen, einem echt krassen Kasperle-Stück und einem geilen Schokoladenkuchen.

Viele Bowling-Bahnen bieten in Berlin Pauschalarrangements für Kindergeburtstage an. Bei „Bowling am Ku´damm" (Kurfürstendamm 156, Tel.: 892 50 30) kosten 90 Minuten Bowling, incl. Leihschuhe, einem Abendessen und einem Getränk 7,90 Euro pro Kind. Bei den Kinderbahnen sorgen kleine Gitter dafür, dass die Kugel immer ins Ziel kommt.

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