Zeitung Heute : Boxen-Stopp

Rainer Bücken

Die Digitalisierung der Rundfunklandschaft ist seit mehr als zehn Jahren in vollem Gang. Jetzt kommt das auch beim Zuschauer an. Digitalfernsehen war bislang vor allem mit den Schlagworten PayTV, Kirch und d-Box verbunden - und damit nicht sonderlich erfolgreich. Digital lassen sich nämlich auch die bislang analog ausgestrahlten Programme übertragen. Davon passen nämlich mehr in einen Kanal - die Kompressionstechnik macht es möglich.

Die Bildqualität ist bei alledem mindestens ebenso gut wie ein schönes PAL-Bild - nur nicht wesentlich besser. Allerdings gibt es bei DVB-T keinen Mehrwege-Empfang - und damit auch keine Geisterbilder. Störungen gibt es nur, wenn kein ausreichendes Signal bei der Antenne ankommt. Im Keller wird eine Zimmerantenne kaum ausreichen. In allen Übertragungswegen wird die neue Technik inzwischen eingesetzt, also im Kabel, über Satellit und jetzt auch terrestrisch, sprich für eine "normale" Antenne. Zum Empfang sind entsprechend ausgerüstete Fernsehgeräte erforderlich - oder kleine Zusatzkästchen, die so genannten Settop-Boxen. Während Satellit- und Kabelanschluss nur stationär zu nutzen sind, ist terrestrisches digitales Fernsehen überall zu empfangen. In den meisten Fällen reicht eine kleine Stabantenne oder auch die bisherige Dachantenne aus. Seit einigen Jahren werden in verschiedenen Regionen DVB-T-Feldversuche bzw. Projekte durchgeführt - so zum Beispiel in Berlin-Brandenburg, Bayern, Norddeutschland, Nordrhein-Westfalen und auch in Mitteldeutschland. Diese Projekte sollen nun nach und nach in den Regelbetrieb überführt werden. Für die Zuschauer bedeutet DVB-T nicht nur wesentlich mehr TV- und Radio-Programme, sondern auch Multimedia-Dienste wie der Zugang zum Internet. Und das ganze nicht nur stationär, sondern auch portabel und - mit gewissen Einschränkungen - auch mobil.

Für den Umstieg haben sich die Beteiligten der "Initiative Digitaler Rundfunk" (IDR) auf die sogenannte Insellösung verständigt. DVB-T wird demnach zuerst in Ballungszentren eingeführt, wo mit einer schnelleren Akzeptanz gerechnet werden kann.

Aufgrund des DVB-T-Regelbetriebs in anderen Staaten wie England, Spanien oder Finnland sind bereits unterschiedliche Empfänger (Settop- Boxen und integrierte Geräte) von diversen Herstellern auf dem europäischen Markt verfügbar.

Allerdings kommt da schon das nächste Problem: DVB-T wird weltweit nur im UHF-Bereich ausgetrahlt. "Unsere DVB-T- Empfangsgeräte sind daher nur für den Frequenzbereich von 470 bis 860 Megahertz ausgerüstet", erklärt Hagen Feuerpfeil von der Firma Technotrend. Doch in Berlin gilt es auch tiefer liegende Frequenzen umzusetzen, so die Kanäle 5 und 7. "Dafür können wir noch keine kleinen Antennen liefern", muss Helmut Schwaiger vom Produktmanagement der Kathrein-Werke zugeben. Also: Kleine Zimmerantennen gibt es noch nicht, und DVB-T-Empfänger für den VHF-Bereich ebenfalls nicht. Die Entwicklungsabteilungen werden wohl mal wieder Nachtschichten einlegen müssen, soll der Herbsttermin für den Einstieg in den Umstieg gehalten werden.

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