Zeitung Heute : Brandherd Asien

HEIK AFHELDT

Zur Finanzkrise in Asien: Die Kosten der Feuerwehr trägt die Allgemeinheit, während jene, die kurzsichtig und fahrlässig am Ausbruch der Brände beteiligt waren, die Banken und Kreditgeber, mit blauen Augen davon kommenVON HEIK AFHELDTDie Deutsche Bank hat den Reigen der Vorsorge für Kreditausfälle begonnen.Die anderen Banken werden folgen, die Commerzbank, die Dresdner Bank und einige Landesbanken.Die Finanzkrise in Asien reduziert ihre Gewinne und schmälert die Ausschüttungen an die Eigner und die Steuerschuld.Sie alle haben sich mit Milliarden-Krediten in der Wachstumsregion der asiatischen Tiger kräftig engagiert.Insgesamt betrugen die Ausleihungen aller deutschen Banken an die zehn wichtigsten südost- und ostasiatischen Länder Anfang des Jahres 218 Milliarden D-Mark.Nur Japan war mit 260 Milliarden Dollar noch stärker engagiert, während die US-amerikanischen Kredite unter 50 Milliarden Dollar lagen.Was eben noch mutig und weitblickend schien, erweist sich heute als "zu hoher Einsatz".Wie konnte es zu dieser Fehleinschätzung kommen, und was haben wir noch an bösen Folgen zu erwarten? An Warnungen hat es nicht gefehlt.Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel hat schon 1997 vor einem Klimasturz an den internationalen Finanzmärkten gewarnt und auf die ungesunde Finanzierungsstruktur einiger Länder wie Korea hingewiesen.Dennoch hat sich die Vergabe vor allem kurzfristiger Kredite weiter beschleunigt - erste Anzeichen dafür, daß die Zinsen nicht mehr aus normalen Erträgen, sondern nur mit Hilfe neuer Kredite gezahlt werden konnten.Nie zuvor haben sich so viele gescheite Leute mit Länder- und Finanzanalysen befaßt wie heute.Es zeigt sich wieder einmal: Wenn die Herde losrennt, die Stampede läuft, hat keiner mehr die Übersicht.Hindernisse oder Warntafeln werden überrannt.Das Vertrauen in die Überwachungssysteme hat kräftig gelitten.Haben alle die Folgen unterschätzt und verniedlicht? Es klang doch zunächst so plausibel.Nur etwa fünf Prozent der deutschen Exporte gehen in die Krisenregion.OK! Aber einzelne Firmen sind weit höher engagiert.Schering erzielt 18 Prozent, die Firma Krones sogar 24 Prozent des Umsatzes in Asien (ohne China und Japan).Bei Bilfinger + Berger macht die Region zwar nur 8 Prozent vom Umsatz, aber 17 Prozent vom Ergebnis aus.Unterbelichtet und auch schwerlich genau zu erfassen sind die indirekten Wirkungen auf die deutschen Exporte und Importe.Plötzlich kosten koreanische Autos oder thailändische Elektronikprodukte überall deutlich weniger.Aus den Abwertungen und dem Erfolgsdruck, den die Krise im Fernen Osten bringt, ergibt sich eine mörderische Konkurrenz.Das wiederun mindert das Wirtschaftswachstum anderer Länder wie Japan oder Großbritannien, die ja auch Kunden deutscher Unternehmen sind.Schließlich hinterlassen die Wertberichtigungen auf deutsche Beteiligungen in diesen Ländern, die in nationaler Währung heute bis zu 80 Prozent weniger wert sind, ihre deutlichen Spuren in den Jahresabschlüssen.Jetzt besteht die Gefahr, daß die Herde in die Gegenrichtung rennt.Panik im Stadion.Wir wissen, was das bedeutet.Vieles geht kaputt, was durchaus tauglich ist.Die Region ist nach der Krise ja auch wieder gut für kräftiges Wachstum.Die milliardenschweren internationalen Beistandpakete für Korea oder Indonesien sind zwar teuer, aber geeignet, die Panik noch zu verhindern.In Rußland und Mexiko ging es auch schon einmal gut.Das lehrt uns dreierlei: Die Brandwachen funktionieren noch nicht zuverlässig.Die Kosten der Feuerwehr trägt die Allgemeinheit, während jene, die kurzsichtig und fahrlässig am Ausbruch der Brände beteiligt waren, die Banken und Kreditgeber, mit blauen Augen davon kommen.Im Zeitalter der Globalisierung liegt der "Ferne Osten" noch näher an Deutschland als vordem der nahe Osten.Waigel könnte sich die Reise sparen.Die Informationen liegen auf seinem Schreibtisch.

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