Zeitung Heute : Brasilien – Kroatien 1 : 0

Olympiastadion Berlin, 13. Juni 2006, 72 000 Zuschauer

Philipp Köster

Wir haben sie noch im Ohr, all die Beteuerungen des Organisationskomitees, dass an den Stadionkassen die personalisierten Tickets genau überprüft werden. Am vierten Tag steht fest: Es wird nicht kontrolliert. Dafür demonstrierten die Organisatoren im Innenraum Präsenz. In den ersten Minuten des Spiels marschierten auf der Laufbahn mehrere Hundertschaften Ordner mit grellen Leibchen auf, die fortan nichts anderes taten, als finster ins Publikum zu starren. Blicke, die Bände sprechen sollten. Das Gehabe wirkte merkwürdig, weil trotzdem plötzlich ein junger Mann im Kroatientrikot aufs Spielfeld spazierte, dort ungerührt eine Ehrenrunde lief und auf dem Rasen niederkniete, bevor ihn ein Ordner unter frenetischem Beifall der Kroaten abführte. Von den Kontrahenten aus Südamerika war derweil immer noch nichts zu hören. Nur kurz nach dem Führungstor jagten „Brasil, Brasil“-Sprechchöre durchs Rund, danach schwieg die gelb-grüne Masse wieder stoisch. Der Engländer hat für solch ein Publikum den hämischen Satz übrig: „You only sing, when you are winning.“ (Ihr singt nur, wenn ihr gewinnt.) Doch nicht einmal das stimmte, Brasilien gewann, und es sangen nach dem Schlusspfiff abermals – die Kroaten.

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