Zeitung Heute : Braves Kind der FIFA hat Belohnung verdient

MARTIN HÄGELE

PARIS .Es war exakt 18 Uhr im Prinzenpark-Stadion.Bis auf den großen roten Block, in dem die Südkoreaner sangen und mit ausgebreiteten Schals schunkelten, hatten sich die Ränge geleert, als sich das Ehrenkorps der Funktionäre formierte für die Honneurs.Im Halbkreis hatten die Spieler Aufstellung genommen, vis-à-vis hatten sich die Manager und Sekretäre zum Applaus aufgereiht.Die Männer in den dunklen Anzügen applaudierten, während Dr.Mong Joon Chung wie ein General beim Appell die Front abschritt.

Südkorea hatte sein trauriges WM-Los zwar nicht besiegt, auch nach der fünften WM-Teilnahme wartet Asiens erfolgreichste Fußballnation weiter auf den ersten Erfolg.Durch das Unentschieden gegen Belgien aber hatten die stolzen Koreaner wenigstens ihr Gesicht gewahrt.

Südkorea und ganz besonders der Sportführer Mong Joon Chung haben die Fotos und den Film von dieser mehr oder weniger gestellten Parade dringend gebraucht.Für die Programmbroschüren des nächsten WM-Veranstalters ebenso wie fürs eigene Prestige.Die Bilder sollten zeigen, daß Südkorea ein anständiges und braves Kind der FIFA-Familie ist, das eine Belohnung verdient hat.Und der große Chef seinen Laden absolut im Griff hat.

Denn ohne das nette Abschiedsposter von Paris bleiben die Kims, Lees, Chois und Jangs nur durch ihre großen Fahnen in Erinnerung.Die Ankündigung von "the eastern soccer revolution 2002" unter dem rot-blauen Ball und Nationalsymbol erweckt derzeit weder sportliche Ängste unter den halbwegs Etablierten und auch sonst nicht un- bedingt sportliche Vorfreude.Internationalen Beobachtern fällt im Zusammenhang mit Südkorea erstmal der Kommentar von Karl-Heinz Rummenigge oder etwas ähnliches ein."Wenn eine fußballerische Bananenrepublik wie Südkorea in Cha Bum den einzigen Mann rauswirft, der in diesem Land etwas von Fußball versteht", so der Vizepräsident von Bayern München in seiner saloppen Art, dann sei damit alles gesagt über das Fußball-Entwicklungsland.

Der "Franz Beckenbauer Asiens" wurde nach seiner vorzeitigen Demission nicht einmal abgeholt am Flughafen Kimpo international.In der koreanischen Mentalität gibt es keinen Platz für Verlierer, und im Umgang mit Fußball-Experten pflegen die Machthaber des Verbandes schon immer ihren eigenen Stil.Vor zwei Jahren etwa entzog sich der Geschäftsführer Kim Jong Nam, als Ex-Nationalspieler recht vertraut mit der Materie, seinem Job.Er floh ganz einfach von seinem Schreibtisch, weil er sich nicht mehr länger schon morgens um sieben von einem Konzern-Obern deckeln und dirigieren lassen wollte.Eines Tages hat man den Flüchtigen dann in China entdeckt.

Inzwischen haben all die Bosse der diversen Wirtschaftskonglomerate, welche Korea Football Association (KFA) mehr oder weniger aus ihrer Portokasse mitfinanziert hatten, selbst finanzielle Probleme und den wohl schärfsten Aufpasser im Tigerstaat bekommen.Park Se Ji, 1988 Cheforganisator der Olympischen Spiele von Seoul, danach Minister im National Intelligence Service, was dem CIA in Amerika entspricht, soll nun die Fußball-WM im Verbund mit dem ehemaligen Besatzerland Japan richtig zum Laufen bringen.

Vor den WM-Stadien in Frankreich werben die alten Todfeinde friedlich für ihr gemeinsames Projekt.Sie wissen, daß die erste Fußball-WM in Asien zehn Jahre zu spät kommt.Anfang der Neunziger waren beide Länder Wirtschaftsparadiese und konnten sich die halbe Welt kaufen.Heute müssen die Japaner ran ans Ersparte, die Koreaner sind total klamm - und das trifft ganz besonders auf den WM-Finanzierungsplan zu.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben