"Bread and Butter"-Messe : „Die Kunden sind kritischer geworden“

K.O.I. macht Jeans aus recycelter Baumwolle. Labelchef Tony Tonnaer über Hosen fürs Leben und grüne Mode.

Als das niederländische Denim-Label Kuyichi 2001 versuchte, Jeans aus peruanischer Biobaumwolle zu verkaufen, interessierte sich niemand dafür. Bis Tony Tonnaer kam. Dem Holländer gefiel das Konzept, er managte die Marke und schaffte es, ihr Coolness zu verleihen. 2010 hat Tonnaer sein eigenes Label K.O.I. gegründet und ist damit zum zweiten Mal auf der Bread & Butter. Seine Jeans bestehen zu 40 Prozent aus recycelter Baumwolle.

Jeans aus recycelter Baumwolle – wie kam es dazu?
In den letzten vier Jahren wurde viel darüber nachgedacht, wie man Abfall besser verwerten kann. Die Bevölkerung wächst, aber unsere natürlichen Ressourcen schrumpfen. Für die Zukunft müssen wir uns einen Ersatz überlegen. Biobaumwolle ist letztlich keine Lösung, weil man für den Anbau viel Wasser und Bodenfläche braucht. Also kamen wir auf die Idee, Reste von Stofffabriken zu sammeln und neue Kleidung daraus zu machen.

Ihren Jeans sieht man nicht an, dass sie recycelt sind.
Das war uns wichtig: Klassische Schnitte, schöne Waschungen und zeitloses Design. Wir wollen die Leute dazu bringen, ihre Jeans so lange wie möglich zu tragen und denken gerade darüber nach, einen Reparaturservice anzubieten. Bei Denim geht es um den „Vintage Style“: Je älter der Stoff wird, desto besser sieht er aus. Deswegen passen die Themen Jeans und Recycling auch so gut zusammen.

Eigentlich sind Ihre Jeans ja „Green Fashion“. Wieso stellen Sie auf der Bread & Butter aus und nicht auf einer Eco-Messe?
Wenn man sein Label als „green“ verkauft, erreicht man nur eine begrenzte Zielgruppe. Und genau das ist das Problem: Jeder Kunde ist sich zwar bewusst, dass er etwas für die Umwelt tun sollte. Aber sobald er etwas Schönes sieht, vergisst er den Vorsatz. Ich möchte deswegen nicht mit Bio- , sondern mit ganz normalen Denim-Labels im Wettbewerb stehen. Auch wenn der Kunde sich eigentlich gar nicht für grüne Mode interessiert, tut er mit K.O.I. etwas Gutes.

Ist es nicht teuer, eine recycelte Jeans herzustellen?
Wie bei allen Innovationen war es das anfangs, ja. An sich ist die Herstellung aber günstiger. Baumwolle muss man anbauen, bewässern, ernten, säubern. Bei uns fallen diese Schritte weg. Um die alten Fasern dann aufzutrennen und neu zu verspinnen, haben wir inzwischen spezielle Maschinen entwickelt. Ich weiß noch, vor fünf Jahren habe ich recyceltes Denim zum ersten Mal getestet – die Jeans sah nach der Wäsche grauenvoll aus. Heute ist das ganz anders.

Wie viel kostet eine K.O.I.-Jeans?
Zwischen 100 und 150 Euro. Eigentlich könnte es sogar noch günstiger werden, doch bisher gibt es nur wenige Fabriken, die recycelte Baumwolle herstellen.

Weshalb sind Ihre Jeans nicht „100% recycled cotton“?
Das hat zwei Gründe. Zum einen verlieren Baumwollfasern beim Recycling an Länge und brechen schneller, zum anderen enthalten sie noch ein wenig Restfarbe und nehmen neue nicht so gut auf. Um unsere Jeans stabiler zu machen und besser färben zu können, müssen wir normale Baumwolle dazumischen. An sich ist 100 Prozent recycelte Kleidung aber möglich – wir schaffen das auch.

Wie sehen Sie die Zukunft von Green Fashion?
Schauen Sie sich die Automobilindustrie an: Vor fünf Jahren gab es da nichts, heute arbeitet sogar Porsche an einem elektrischen Auto. In der Mode hinken wir etwas hinterher, aber der Kunde ist viel kritischer geworden. Wandel braucht Zeit, das passiert nicht von heute auf morgen.

Das Gespräch führte Lisa Strunz.

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