Zeitung Heute : Brennstoffzelle: Die ersten Stadtbusse mit der neuen Technik

Horst Heilbronner

Früher als im Personenwagen beginnt die Brennstoffzelle ihre Karriere im Straßenverkehrsalltag in Omnibussen. Denn die DaimlerChrysler-Tochter EvoBus GmbH konnte jetzt die ersten von 30 Brennstoffzellen-Stadtbussen an verschiedene europäische Verkehrsbetriebe verkaufen.

So konnten dieser Tage in Amsterdam Verträge mit den Verkehrsbetrieben von Amsterdam (Niederlande), Barcelona (Spanien), London (Großbritannien), Luxemburg, Porto (Portugal), Stockholm (Schweden), Reykjavik (Island) und von Hamburg und Stuttgart unterzeichnet werden. Entsprechende Verträge mit weiteren europäischen Verkehrsbetrieben sollen schon sehr bald folgen.

Jeder der Vertragspartner übernimmt von Ende 2002 an beziehungsweise im Lauf des Jahres 2003 drei Citaro-Stadtbusse mit einer Brennstoffzelle, die an Bord auf den Wege der "kalten Verbrennung" Strom erzeugt, der an die elektrischen Antriebsmotoren dieser Busse geleitet wird. Abgesehen von Wasserdampf, der dem Auspuff entweicht, fahren diese Busse damit absolut emissionsfrei.

Jeweils rund 1,25 Millionen Euro kostet jeder der Niederflur-Stadtbusse mit der wegweisenden neuen Antriebstechnik. Die zwölf Meter langen bis zu 80 km/h schnellen Niederflur-Solowagen haben je nach Einsatzbedingungen eine Reichweite von 200 bis 250 Kilometer und fassen je nach Ausstattung bis zu 70 Fahrgäste. Ihre Brennstoffzellen-Einheit mit mehr als 200 kW Ausgangsleistung stammt von der DaimlerChrysler-Tochter Xcellsis.

Der Preisfür die Brennstoffzellen-Stadtbusse schließt ein Servicepaket für zwei Jahre ein. In diesem Zeitraum werden die Partner gemeinsam nicht nur praktische Erfahrungen, sondern vor allem auch technische Daten über den Betrieb dieser Busse und die für sie aufgebaute Wasserstoff-Infrastruktur sammeln.

Diese Daten fließen sowohl in die Weiterentwicklung der Fahrzeuge, als auch den Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur ein, die aus je einer Tankstelle für gasförmigen Wasserstoff an den jeweiligen Standorten der Brennstoffzellen-Busse besteht. Partner auf Seiten der Mineralöl-Industrie sind dabei BP Amoco und andere Kraftstoff-Hersteller.

Geeignete Energieträger für Brennstoffzellen-Busse, die aus Wasserstoff und dem Luftsauerstoff Strom erzeugen, sind sowohl Wasserstoff als auch Methanol, aus dem Wasserstoff in einem sogenannten Reformer abgespalten wird. Die jetzt zum Einsatz kommenden Citaro-Busse werden mit auf 350 bar komprimiertem Wasserstoff betankt. Der wird zu rund 40 Prozent aus erneuerbaren Energien wie Wind-, Sonnen- und Wasserkraft erzeugt, zu weiteren 40 Prozent aus Erdgas und zu 20 Prozent aus Rohöl, das heute noch für 95 Prozent Ausgangsstoff für die Betankung konventioneller Stadtbusse mit Verbrennungsmotor ist. Langfristig geht man davon aus, den Wasserstoff für die Brennstoffzellen möglichst vollständig aus erneuerbaren Energien zu erzeugen.

Die künftig in verschiedenen europäischen Großstädten eingesetzten Citaro-Busse mit Brennstoffzelle sind die technologischen Nachfolger des 1997 vorgestellten Nebus (New Electric Bus) auf Basis des Niederflur-Stadtbusses O 405, der seine Leistungsfähigkeit inzwischen an verschiedenen Orten weltweit unter Beweis gestellt hat.

Als wichtigste Gründe für die Teilnahme an dem Projekt mit Brennstoffzellen-Bussen sieht Direktor André Tesat von den Amsterdamer Verkehrsbetrieben die Möglichkeit, eine überzeugende Alternative zur Nutzung fossiler Brennstoffe zu schaffen, die so nicht ewig weitergehen kann, und damit zugleich einen Beitrag zur nachhaltigen technologischen Entwicklung im Öffentlichen Personennahverkehr zu leisten.

Bereits heute sind die Stadtbusse in Amsterdam mit der sogenannten CRT-Katalysatoren-Technik ausgerüstet und werden mit schwefelfreiem Kraftstoff betankt. Zudem hat Amsterdam gerade erst 155 neue besonders umweltfreundliche Straßenbahnen angeschafft und einen Vertrag für die Nutzung nachhaltiger Energien im gesamten Betrieb geschlossen. Da lag die Teilnahme am von der Europäischen Kommission unterstützten neuen Wasserstoff-Projekt natürlich nahe.

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