BRITPOPIan Brown : Nach der verlorenen Zeit

Jörg W,erD

Er sah nicht nur schon immer aus wie das Role Model für den archetypischen Moptop-Stil der Gallagher-Brüder: Hätte sich Ian Brown mit seiner alten Band Stone Roses karrieretechnisch etwas klüger angestellt, hätten die späteren Oasis-Gründer auch getrost Roadies bleiben können.

Ihre gemeinsame Heimatstadt Manchester war 1989 der Nabel der Popwelt. Und die Stone Roses waren, noch vor Happy Mondays oder Inspiral Carpets, die heißeste junge Band Manchesters. Das unbetitelte Debütalbum schlug seinerzeit genial die Brücke zwischen dem halluzinogenen Rave-Groove der Mondays und einem in die Sechziger verweisenden Gitarrenrock-Klassizismus. Wenn Oasis und andere Britpop-Konsorten fünf Jahre später aus diesem Rohstoff unbehelligt ihre Millionenseller klonen konnten, lag das auch daran, dass die Stone Roses sich da schon in einem Strudel aus unproduktivem Studiogefrickel, zermürbendem Ego-Gekeife und den branchenüblichen Drogen- und Alkoholexzessen zerlegt hatten.

Doch die Legende lebt weiter. Deshalb ging Ian Brown nach dem Ende der Stone Roses einen ähnlich steinigen Weg, den auch Morrissey (The Smiths) oder Richard Ashcroft (The Verve) einschlagen mussten. Im Vergleich zum abgöttisch verehrten Werk ihrer alten Bands fielen die jeweiligen Soloanstrengungen zwangsläufig ab. Doch wer die Sache vorurteilsfrei betrachtet, wird zugeben, dass nicht nur Morrissey im Laufe der Jahre ein immer besserer Performer geworden ist, sondern auch Ian Brown: Die Rolle des arschcoolen Britpop-Stammvaters füllt er mit der richtigen Dosierung von Arroganz und Souveränität aus.Jörg Wunder

Postbahnhof, Sa 23.1.,

20 Uhr, 27 € DZ406

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