Zeitung Heute : Brüssel ermittelt auch in anderen Fällen gegen den Konzern

Die EU-Kommission nimmt den US-Softwareriesen Microsoft wegen möglicher Wettbewerbsverstöße stärker ins Visier als bisher bekannt. "Wir haben weitere schwebende Fälle, die mit Microsoft zu tun haben", sagte ein EU-Mitarbeiter am Donnerstag in Brüssel. Erst am Vortag hatte EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti gesagt, seine Behörde untersuche das Betriebssystem Windows 2000 von Microsoft wegen möglicher Wettbewerbsvergehen. Ein förmliches Verfahren dazu wurde aber bisher nicht eröffnet. Die Kommission will Informationen nachgehen, wonach die Bündelung von verschiedenen Windows-2000-Varianten im Gegensatz zu den Wettbewerbsbestimmungen der EU stehen.

Microsoft wird Windows 2000 trotz der Untersuchung wie geplant Mitte Februar auf den Markt bringen, teilte der Konzern am Donnerstag in Paris und Redmond mit. Man werde umfassend mit der EU-Kommission zusammenarbeiten. "Die Kommission hat uns aufgefordert, bestimmte Informationen bis Anfang März zur Verfügung zu stellen. Wir werden diesem Wunsch gerne nachkommen", sagte Microsoft-Jurist John Frank am Donnerstag.

Der Software-Konzern betonte zudem, Microsoft werde die Versionen von Windows 2000 für Arbeitsplatz-Rechner und Server nicht in einem Paket anbieten. "Die Kunden stehen vor der freien Entscheidung, die Produkte separat von einander zu erwerben." Windows 2000 könne auch von denjenigen Kunden benutzt werden, die in einem größeren Netzwerk unterschiedliche Server-Programme einsetzten.

Microsoft machte für die Aktion der EU-Kommission eine Beschwerde des Konkurrenten Sun Microsystems verantwortlich. "Sun verlangt ein Eingreifen des Staates, um von der Tatsache abzulenken, dass Microsofts Server-Technologie den Kunden ein besseres Preis/Leistungsverhältnis bietet." Sun Microsystems erklärte, es gehöre zur Geschäftspolitik von Sun, über eine eventuelle Kommunikation mit staatlichen Stellen Vertraulichkeit zu wahren. Dazu gehöre auch die Angabe, ob man überhaupt mit staatlichen Stellen in Kontakt getreten sei.

Aus der Wettbewerbsbehörde wurde bekannt, ein früherer Beschwerdefall gegen den US-Giganten werde wieder untersucht. Microsoft müsse dazu Informationen zu seiner Preispolitik liefern und dabei erklären, warum identische Produkte möglicherweise unterschiedlich viel kosteten.

In diesem Fall ging es um einen Parallelimport von Microsoft-Software in Frankreich. Ein Importeur hatte sich damals über Microsoft beschwert und dem Unternehmen eine marktbeherrschende Stellung vorgeworfen. Der Europäische Gerichtshof hatte dem Importeur, der die aus Kanada stammende Microsoft-Software in Frankreich günstiger als Microsoft selbst angeboten hatte, teilweise Recht gegeben. Die EU-Kommission hatte die Beschwerde vor der Gerichtsentscheidung zurückgewiesen.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben