Zeitung Heute : Brüssel nimmt Internetfete unter die Fittiche

KURT SAGATZ

Die dritte Berliner Internetfete vom 19.bis zum 21.März findet diesmal im europäischen Kontext statt.Als Teil der ersten Europäischen Internet Fiesta haben es sich die Berliner Netzaktivisten zum Ziel gesetzt, das Internet als Massenmedium in Deutschland und in Europa stärker ins öffentliche Blickfeld zu rücken, wie bmp-Manager und Organisator des Berliner Events Philippe Royer am Montag sagte.Um dieses Ziel zu erreichen, sollen an den Fetentagen Online-Events mit realen Veranstaltungen wie Parties und Podiumsdiskussionen an verschiedenen Orten in ganz Deutschland verbunden werden, die alle über die Website www.internetfete.de zu erreichen sein werden.Schirmherr des europäischen Dachverbands (www.internet-fiesta.org) ist die EU-Kommission.Dabei ist die Fete, die derzeit von 14 Firmen und Einrichtungen getragen wird, offen für weitere Interessenten mit der gleichen Zielsetzung.

Für Berlins Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner ist die Internetfete eine hervorragende Chance, für eine breite Schicht in der Gesellschaft das Tor zu den neuen Technologien aufzustoßen.Obwohl es in der Berliner Medien- und Kommunikationsbranche inzwischen knapp 8000 Unternehmen mit rund 75 000 Beschäftigten gäbe, finde der technologische Wandel in der Stadt gegenüber anderen Regionen zeitversetzt statt.Berlin liege durch seine spezielle Situation 10 Jahre zurück, so der Senator.Die Fete sei somit auch eine Initiative, um die Ängste gegenüber den neuen Medien abzubauen.

Jörg Wenzel von der EU-Kommission begründete die Unterstützung durch Brüssel damit, daß derzeit alles getan werden müsse, um den Vorsprung der asiatischen Länder und der USA bei der Nutzung der neuen Medien einzuholen.Während im europäischen Durchschnitt nur in 8,5 Prozent aller Haushalte ein Internet-Anschluß vorhanden sei, lägen die USA bei 32 Prozent, so Wenzel.Auch innerhalb der Europäischen Union gebe es deutliche Unterschiede.Während vor allem Schweden (40 Prozent) und Dänemark (27 Prozent) an der Spitze der Entwicklung stünden, hinkten Länder wie Griechenland - dort verfügen nur 2,9 Prozent der Haushalte über einen Zugang zum World Wide Web - weit hinterher.In Deutschland liegt die Quote übrigens derzeit bei 7,5 Prozent und damit im europäischen Mittelfeld.

Bei derart geballter wirtschaftlicher Motivation durch Brüssel und auch das Bonner Wirtschaftsministerium fragt man sich unweigerlich, wo der Spaß und die Fete bleiben sollen.Eine Reihe von Events sind immerhin bereits fest zugesagt worden.Zu den interessantesten Surfstationen gehört unter anderem die LiteraturWERKstatt berlin, die für das Jahr 2000 einen literarischen Zug von Autoren aus allen Ländern Europas durch alle Länder der Gemeinschaft plant.Der Start dieses Literaturevents ist für Mai vorgesehen, die Reisevorbereitungen können bereits zur Internetfete online verfolgt werden.Daneben veranstaltet die LiteraturWERKstatt noch einen Lyrikwettbewerb, bei dem bis zum 20.März selbst verfaßte, deutschsprachige Gedichte per E-Mail eingereicht werden können.Zu den weiteren Anlaufpunkten der Internetfete gehören die Site des interaktiven Dokumentarthrillers Berlin Connection, die city-scope-Website, der Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Adlershof (Wista) sowie das neu gegründete MoneyMuseum, das zum kostenlosen Surf-In einlädt.Auch das Land wird sich aktiv beteiligen.Ein Schwerpunkt liegt auf den Angeboten zum Landesprojekt "Computer in die Schulen" sowie zum Projekt "Der Berliner Weg in die Informationsgesellschaft".Tagesspiegel online wird sich ebenfalls beteiligen und das Kooperationsprojekt "tauschmich.de" für die Fetenbesucher zugänglich machen.

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