BUCHPREMIEREPéter Esterházy „Esti“ : Alles bleibt Fragment

Nicole Henneberg

„Kornél Esti – c’est moi“, bekannte Péter Esterházy im Nachwort zu Dezsö Kostolányis Roman über den larmoyanten und verspielten, reizbaren, belesenen und sehr liebesbedürftigen Esti, den ersten modernen Antihelden der ungarischen Literatur. Wie auf einer doppelt belichteten Fotografie verschmilzt in seinem neuen Roman „Esti“ (Hanser Berlin) die historische, literarische Figur, die so radikal wie Don Quijote das Gelesene zu leben versucht, mit einem fiktiven Ich des Schriftstellers Esterházy. Dass wir es mit einem durchtriebenen, aller Schreibweisen der Moderne mächtigen Autor zu tun haben, zeigen schon die Streitereien der beiden Erzähler: „Dass du es mir aber nicht zu irgendeiner läppischen Geschichte zusammenkleisterst. Es soll alles so bleiben, wie es eines Dichters würdig ist: Fragment“, herrscht der eine den anderen an. So geschieht es. Doch fortan wird alles unter dem Vorbehalt erzählt, dass es möglich, sogar wichtig ist, Geschichten zu erzählen – wofür dieser vergnügliche und beschwingte, kunstvolle und kluge Roman der überzeugende Beweis ist.

Exakt und verspielt sind die Geschichten aus „Esti“, frech, melancholisch und abgründig. Sie bilden, verstärkt durch ihren doppelten Figuren-Boden, gekonnt den unberechenbaren, so formelhaft wie anarchisch funktionierenden Strom unseres Bewusstseins ab. Kostolányi überließ seinem Helden kompromisslos das Wort, was damals ein Skandal war. Auch Esterházy beugt sich der Sehnsucht seines Esti nach einer aberwitzigen Vielfalt an Lebensgeschichten und Schicksalskapriolen. Im Gespräch mit Andreas Isenschmid stellt Péter Esterházy sein Buch nun erstmals vor. Nicole Henneberg

Akademie der Künste am Pariser Platz, Mi 6.3., 20 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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