BUCHVORSTELLUNGAstrid Köhlers Biografie von Klaus Schlesinger : Das doppelte Leben

Noemi Hahnemann
Foto: picture-alliance/ dpa

Es ist, schreibt seine erste Biografin, die in London lehrende Germanistin Astrid Köhler, „die Geschichte eines Menschen, der Kosmopolit war und lebenslang an einen Ort gebunden blieb; der einst bedauert hatte, noch zu klein für die Hitlerjugend zu sein, und sich nachher den Ruf des Anarchisten erwarb; der die DDR verlassen und doch nie von ihr gelassen hat; der sich nicht festlegen lassen wollte und ein Mann von Prinzipien war; mit eigenem Kopf und doch auf Austausch angewiesen, herzlich und widerspenstig, umtriebig und verlässlich, als Erzähler ausschweifend und präzis.“

Wer war’s, könnte man fragen, und hätte, selbst wenn man wüsste, dass es sich nur um Klaus Schlesinger handeln kann, doch noch keine Ahnung, wie viel mehr innere Bewegung in diesen großen Gegensätzen steckt. Schlesinger, 1937 in Berlin geboren und dort 2001 an Leukämie gestorben, ist der Unbekannteste aus der Ostschriftstellergeneration von Ulrich Plenzdorf und Jurek Becker, obwohl er mit seinen Büchern von Anfang der siebziger Jahre an auch in der Bundesrepublik präsent war und mit „Alte Filme“ sogar einen veritablen Erfolg hatte. In der Folge der Biermann-Wirren kam er in die Weststadt und lebte von 1982 an fast ein Jahrzehnt lang in einem besetzten Haus in der Potsdamer Straße. René Strien, verlegerischer Geschäftsführer des Aufbau Verlags, in dem die reich illustrierte Biografie erschienen ist, stellt nun im Gespräch mit der Autorin und ergänzt um Schlesinger- Texte, die Jutta Wachowiak lesen wird, diese Pionierleistung im Brechthaus vor. Noemi Hahnemann

Literaturforum im Brecht- Haus, Mo 9. 1., 20 Uhr, 5 / 3 €

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