BUCHVORSTELLUNGFranziska Augsteins Semprún-Biografie : Auf Lebensreise

Gerrit BartelsD

Schon als Siebenjähriger, das hat der 85-jährige spanische Schriftsteller Jorge Semprún oft in Interviews gesagt, hätte er nichts anderes als schreiben wollen. Doch brauchte es noch viele Jahre, viele Erlebnisse und viele fürchterliche Erfahrungen, bevor er seinem primären Berufswunsch nachgehen konnte und seinen ersten Roman „Die große Reise“ schrieb, der von seiner Deportation aus einem französischen Gestapo-Gefängnis in das Konzentrationslager Buchenwald handelt. „Die große Reise“ entstand 1953, da Semprún in Madrids Untergrund lebte, von wo aus er unter dem Decknamen Federico Sánchez den Widerstand gegen Franco organisierte.

Geboren als Sohn einer bourgeoisen spanischen Familie, hatte Jorge Semprún sich nach dem Ausbruch des spanischen Bürgerkriegs und dem Gang ins französische Exil der Résistance angeschlossen, um nach seiner Verhaftung und dem Überleben in Buchenwald weiterhin poli tsch tätig zu bleiben – als Untergrundkämpfer, kommunistischer Funktionär, Renegat und 1986 auch Minister unter Spaniens sozialistischem Ministerpräsidenten Félipe Gonzales.

So ein Schriftstellerleben, das vor allem ein politisches Leben ist, will natürlich auch einmal von außen erzählt werden, und das hat jetzt die Historikerin und Publizistin Franziska Augstein getan. „Von Treue und Verrat. Jorge Semprún und sein Jahrhundert“ heißt ihre gut dokumentierte, fein erzählte Biografie, die weniger auf das große literarische Werk Semprúns abzielt als auf seine politischen Aktivitäten und das von Terror, Krieg und ideologischem Furor gebeutelte Jahrhundert. Gerrit Bartels

Literaturforum im Brecht- Haus, Do 8.1., 20 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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