Zeitung Heute : Bühne frei für die Kameliendame

In der kalten Jahreszeit bringen immergrüne Pflanzen Ruhe, Struktur und fröhliche Farbtupfer in die sonst triste Landschaft.

Simone Augustin
Farben unterm Frost. Die Kamelie mit ihren zarten rosa Blüten ist ein ganz besonderer Blickfang im winterlichen Garten und eignet sich hervorragend für einen Kübel. Für grüne Akzente sorgen zudem Stechpalmen, Kirschlorbeeren und Bodendecker wie etwa das robuste Dickmännchen. Fotos: imago
Farben unterm Frost. Die Kamelie mit ihren zarten rosa Blüten ist ein ganz besonderer Blickfang im winterlichen Garten und eignet...

Wie wichtig Pflanzen wie der Buchsbaum im Garten sind, sieht der Hobbygärtner am deutlichsten im Winter. Das Auge sucht in karger Landschaft nach Farbe und Formen – und findet beides in Immergrünen. Ob als Strauch, Kübelpflanze oder Formgehölz: Dazu gehören nicht nur Scheinzypressen und Lebensbäume. Es gibt vielfältige Farbnuancen und sehr dekorative Blattformen.

Warum entsprechende Gehölze in keinem Garten fehlen sollten, erklärt Mechtild Ahlers so: „Immergrüne Pflanzen geben dem Garten zu allen Jahreszeiten Ruhe und Struktur.“ Für Blütenstauden stellt das Grün eine gute Bühne dar. „Ohne diesen Hintergrund wäre die Wirkung nicht dieselbe“, sagt die Fachberaterin der Niedersächsischen Gartenakademie in Bad Zwischenahn.

Laut Ahlers gehören raumbildende Gehölze deshalb in jedes Staudenbeet. „Sie bilden und halten den Rahmen im Winter, wenn sonst alle Strukturen in sich zusammenfallen.“ Das satte Grün könne auch über die sonst fehlende Farbe hinwegtrösten. Sie empfiehlt zum Beispiel die Japan-Stechpalme (Ilex crenata), die einen buchsbaumähnlichen Charakter besitzt und je nach Sorte etwa anderthalb bis zwei Meter hoch werden kann. Falls ein Buchsbaum gewünscht ist, rät Ahlers zu Sorten, die dem Pilz widerstehen, der das Buchsbaumsterben auslöst.

„Ilex crenata hat kleine ovale Blätter und kann hervorragend in Form geschnitten werden“, ergänzt Melanie Wiethölter vom Botanischen Garten in Münster. Die Stechpalme mag sonnige bis halbschattige Standorte, sollte aber vor Hitze und Trockenheit geschützt werden. Obwohl sie meist frosthart ist, reagiert sie im Winter empfindlich auf Wind. Es gibt verschiedene Sorten mit unterschiedlichen Farbnuancen und Wuchsformen wie ,Green Lustre‘ mit frischgrünen, glänzenden Blättern und einer Wuchshöhe von etwa einem Meter.

Auch die Heckenkirsche (Lonicera nitida ,Elegant‘) hat eine schöne kompakte Form. Der Kleinstrauch, der einen bis anderthalb Meter hoch wird, fühlt sich auf allen Gartenböden wohl und verträgt Schnitte. „Durch seinen breiten Wuchs und seine dichten Triebe ist er auch als Heckenpflanze bestens geeignet“, erläutert Wiethölter.

Zu den eher preiswerten Raumbildnern mit Winterwirkung zählt Mechtild Ahlers den Kirschlorbeer. „Er wird bis zu drei Meter hoch und ist je nach Sorte sowohl in Einzelstellung als auch als Hecke zu pflanzen.“ Man kann ihn in Form schneiden oder natürlich wachsen lassen. Der Kirschlorbeer gehört zu den sehr robusten und pflegeleichten Immergrünen und eignet sich für sonnige bis schattige Standorte. Sogar Frostschäden sind schnell nicht mehr zu sehen.

Ein wahres Feuerwerk in Rot-, Orange- oder Gelbtönen entfacht der Feuerdorn (Pyracantha coccinea) im Herbst mit seinen Fruchtständen. „Er ist nicht nur äußerst pflegeleicht und unempfindlich, sondern bietet außerdem Schutz und Nahrung für Vögel“, sagt Gartenexpertin Wiethölter. Er wird zwei bis drei Meter hoch, hat einen sparrigen und unregelmäßigen Wuchs und dornige Zweige. Feuerdorn kann als Hecke, Spalier oder als halbhoher Bodendecker gezogen werden.

Als Hingucker empfiehlt Mechtild Ahlers die Kamelie (Camellia japonica). Sie hat auffallende, dunkel-glänzende Blätter und blüht im Winter und Frühjahr prachtvoll in Weiß, Rosa, Lachs oder Rot. „Aber Vorsicht: Die Kamelie eignet sich nur für geschützte Plätze und muss bei starkem Frost im Spätwinter durch ein Vlies vor Kälte bewahrt werden“, warnt Ahlers. Sonst ist es mit den Blüten des Winters schnell vorbei.

Kamelien eignen sich auch hervorragend für einen Kübel. Sie bevorzugen einen humosen, eher sauren Boden mit einem pH-Wert zwischen 5,5 und 6,5. Kamelien werden am besten im Frühjahr vor der Blüte gepflanzt.

Immergrüne Pflanzen sind insbesondere als Bodendecker nicht wegzudenken. Im Winter bilden sie einen weichen, grünen Teppich. Als Gehölzunterpflanzung empfiehlt Ahlers etwa das robuste Dickmännchen (Pachysandra) oder das wirkungsvolle Großblättrige Immergrün (Vinca major). Letzteres zeigt von April bis Mai reichlich hellblaue Blüten. Auch die Kriechspindel (Euonymus fortunei radicans) ist ein guter Bodendecker. „Sie schiebt sich leicht an der Hauswand hoch und stellt so ein Bindeglied zwischen gewachsener und gebauter Welt dar.“

Den Winter über sollte man die Pflanzen in Ruhe lassen. Falls ein Schnitt gewünscht und erforderlich ist, erfolgt dieser am besten im Frühjahr vor dem Austrieb oder im Spätherbst. Nur die Äste sollten, falls nötig, von großer Schneelast befreit werden.

Obwohl viele immergrüne Gehölze als eher pflegeleicht gelten, dürfen Hobbygärtner nicht vergessen, sie bei Trockenheit ausreichend zu gießen. Da das Blattwerk auch im Winter vorhanden ist, verdunstet die Pflanze permanent Feuchtigkeit. „Was wenige wissen, ist, dass die meisten Kübelpflanzen nicht erfrieren, sondern vertrocknen“, erklärt Melanie Wiethölter. Beet- und Kübelpflanzen sollten daher bei Bedarf an frostfreien Tagen und bei trockener Witterung gegossen werden. Doch auch hierbei ist Vorsicht geboten: Kübelpflanzen vertragen keine Staunässe.

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