Zeitung Heute : "Bündnis für Film"

Michael Naumann, der Staatsminister für Kultur, will ein "Bündnis für Film" ins Leben rufen, angelehnt an das "Bündnis für Arbeit".Gestern stellte Naumann vor Journalisten im Berliner Hotel Kempinski seine Pläne vor: offenbar plant der Kulturminister eine filmpolitische Offensive.Im April sollen sich demnach sämtliche Fernsehsender, dazu die Filmfestivals und die Filmverbände des Landes zu einer Konferenz treffen.Dort werde man das neue "Bündnis" vorbereiten, über eine verbesserte Filmförderung und über verbesserte Marktchancen für europäische Filme beraten.Zur Zeit geben der Bund etwa 80 und die Länder etwa 180 Millionen Mark jährlich für Filmförderung aus.Naumann kritisierte zum wiederholten Mal den "Regionalismus" der zahlreichen Länderförderungen; es entstünden dabei zu hohe Verwaltungskosten.

Konkret schlägt Naumann vor, das von den deutschen Fernsehanstalten für die Ausstrahlung von Spielfilmen gezahlte Honorar deutlich zu erhöhen.In Frankreich müsse das Fernsehen etwa doppelt so viel zahlen, wenn es einen Spielfilm sende.Dieses Geld komme auch der einheimischen Filmindustrie zugute.Außerdem spricht sich Naumann dafür aus, Investitionen in deutsche Filme stärker steuerlich zu fördern.Es sei nicht einzusehen, daß deutsche Investoren immer häufiger in Hollywood investierten, statt in Deutschland.Quotenregelungen, die den Kinos oder dem Fernsehen einen bestimmten Prozentsatz deutscher Filme vorschreiben, lehnt Naumann allerdings ab.Dies sei eine "Bevormundung des Publikums".

Der Kulturbeauftragte regt außerdem die Gründung einer "Deutschen Filmstiftung" an, um die Kapitaldecke des deutschen Films zu stärken.Die Programmgestaltung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens kritisierte Naumann.Diese Sender hätten auch eine erzieherische Aufgabe.Es sei deshalb ihre "Pflicht", niveauvolle Filme und Kultursendungen zu einer vertretbaren Zeit zu senden, statt sie ins Spätabendprogramm oder in "Ghettos wie das arte-Programm" abzuschieben. mrt

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