Zeitung Heute : Bummeln durch den Bezirk mit:

Mutter Fourage

(1). Das Stammcafé von Stéphane Franke. Ein kleines, blondes Mädchen rennt uns am Eingang in die Arme: Stéphanes sechsjährige Tochter Anouk. Gemeinsam zeigen sie uns ihre Lieblingsplätze in Wannsee. Papa Stéphane versteckt sich im hintersten Winkel des Hofcafés. Ab und zu isst er hier mit seiner Tochter nach der Schule zu Mittag. Ein idyllisches Café mit Produkten aus ökologischem Anbau - immer der Jahreszeit angepasst: Im Frühling frische Kräuter, im Sommer die mediterranen Gemüsesorten, im Herbst Kürbis und im Winter Köstliches aus traditionellen Wurzelgemüsen wie Sellerie, Pastinake und Rote Bete. Zum Mutter Fourage gehört eine Galerie, ein Naturkostladen, eine Gärtnerei und eine Kulturscheune. Der Hof ist über 100 Jahre alt. Früher wurde hier mit Mehl und Fourage (Futtermittel) gehandelt. Heute gibt es Fourage nur noch für Meerschweinchen, Kaninchen und im Winter für die Vögel.

Vom Hofidyll zum malerischen Stölpchensee (2). Stéphane schippert hier im Sommer mit dem Bötchen von See zu See, durch eine traumhafte Landschaft. Anouk füttert Schwäne. Auf dem Speiseplan stehen heute Grasbüschel und Äste. Einigen Tieren sollte Anouk jedoch besser nicht zu nahe kommen. Um zum ältesten Golfclub Deutschlands zu gelangen, müssen wir über den Waldweg an der Wildschweingrube vorbei (3). Stéphane spielt zwar Golf, aber nicht beim 1895 gegründeten Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee e. V.. Da ist ihm der Jahresbeitrag etwas zu teuer. Doch zurück zu den Wildschweinen. Tatsächlich tummelt sich unterhalb des Trampelpfads gleich eine ganze Horde. „Da haben die Wildschweine ihr Lager, hier wohnen sie.“ Für Stéphane und Anouk nichts ungewöhnliches, da ihr Familienhaus direkt unterhalb des kleinen Wäldchens liegt (Martin-Heydert-Straße). „Die Gartentür müssen wir deshalb immer gut schließen.“

Vorbei am Griebnitzsee gelangen wir zum Glienicker Park (Königsstraße). Wildschweinspuren auch hier. Mitten auf der umgepflügten Wiese steht ein großer Findling aus dem Jahr 1824 (4), den Anouk im Sturm erobert. Mit ihrem Papa kommt sie oft hierher. „Zum Fußballspielen oder Findlingklettern - das ist toll!“ Über die Glienicker Brücke schlendern wir zum äußersten Zipfel Berlins. Von der „Agentenbrücke“ eröffnet sich uns der Blick auf das Seeufer, an dem Stéphane und Anouk regelmäßig picknicken oder den Anglern am Griebnitzsee zusehen. Auf dem Weg zurück zum Großen Wannsee zeigt Stéphane uns noch die Liebermann-Villa (Colomierstraße 3), die ehemalige Sommervilla des Malers Max Liebermann. Sie liegt direkt am Wannsee und ist seit Ende April 2006 als Museum zugänglich.

Um zu Stéphanes und Anouks geheimen Badeplätzen zu gelangen, ist ein ca. 30 Minuten langer Fußmarsch nötig. Da die meisten Leute eher nicht so wanderfreudig sind, hat man hier seine Ruhe. „Das ist doch gerade das Schöne, sich die gemütlichen, ruhigen Badestellen zu erarbeiten“, findet Stéphane Franke. Kleine einsame Buchten gegenüber der Pfaueninsel (5), weit entfernt vom im Sommer sehr gefragten Strandbad Wannsee.

Der asphaltierte Weg endet beim Flensburger Löwen am Seeufer bei Heckeshorn (6). Ab da geht es über Waldwege an der Uferpromenade entlang. Um das Löwendenkmal herum lässt es sich prima Fangen und Verstecken spielen - das liebt Anouk genauso wie den Spielplatz an der Anlegestelle am Südende des Sees, unweit der Wannseebrücke und des S-Bahnhofs Wannsee. Regelmäßig nehmen Stéphane und seine Tochter von dort aus die Fähre nach Kladow (7) am gegenüberliegenden Ufer der Havel. Das AB-Ticket der BVG reicht bis hierhin. „Da gibt es auch einen tollen Spielplatz“. Auf der Kletterpyramide aus Seilen (8) stiehlt Anouk zwei gleichaltrigen Jungs die Show. Elegant und flink wie ein Kätzchen erklimmt sie die Spitze. Die Jungs müssen passen. Wir auch. Stéphane wird heute nicht mehr Joggen gehen. Es ist schon spät und außerdem ja noch immer sein Geburtstag - und den darf er jetzt endlich allein mit Anouk genießen. Sophie Guggenberger

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar