Zeitung Heute : BUNDESTRAINER VOGTS GEHT AUF TAUCHSTATION: Der Ruf nach Effenberg wird lauter

MÜNCHEN (sid).Der Druck auf Bundestrainer Berti Vogts im "Fall Effenberg" wird immer größer.Nach Franz Beckenbauer haben sich jetzt auch einige Bundesligatrainer für ein Comeback des 29 Jahre alten Ex-Nationalspielers ausgesprochen.Im Fachmagazin "Kicker" befürworteten Felix Magath (1.FC Nürnberg), Wolfgang Wolf (VfL Wolfsburg), Frank Pagelsdorf (Hamburger SV), Winfried Schäfer (VfB Stuttgart), Friedel Rausch (Borussia Mönchengladbach) und Klaus Toppmöller (VfL Bochum) ein Comeback Profis von Bayern München.

Am weitesten lehnte sich Pagelsdorf für Effenberg, der bei der WM 1994 nach den "Stinkefinger-Affäre" aus der Nationalelf verbannt wurde, aus dem Fenster."Effenberg kann man die Rolle des Leitwolfs für die neue Nationalmannschaft auf jeden Fall zutrauen.Er ist ein Spieler, der Führungsqualitäten und die nötige Reife besitzt", erklärte der HSV-Trainer.

Rausch fügte hinzu: "Ich habe schon vor der WM gesagt, daß einer der besten deutschen Spieler nicht mit dabei ist, nämlich Stefan Effenberg." Wolf zeichnete gleich ein Szenario für eine Rückkehr des Blondschopfs: "Vielleicht kann es ähnlich wie im Fall Matthäus funktionieren: Vogts und Effenberg sprechen sich aus und können sich danach wieder in die Augen schauen."

Effenberg selbst hält sich zurück."Daß ich jetzt wieder ins Spiel gebracht werde, ehrt mich.Ich bin aber nicht der Retter des deutschen Fußballs", stellte "Effe" klar.Aber insgeheim hofft Effenberg doch auf ein Comeback im DFB-Dress, schließlich haben auch Lothar Matthäus und der Holländer Edgar Davids nach einem Zerwürfnis mit dem Trainer eine glänzende Rückkehr geschafft.

Noch in alter polterhafter Manier allerdings hatte der 33malige Nationalspieler, der unter Vogts 1992 Vize-Europameister wurde, aber bereits herbe Kritik am Bundestrainer geübt: "Man hat gesehen, daß es Probleme im Mittelfeld gab.Schade, daß Scholl und Basler nicht dabei waren.Ich muß mich nicht mehr durch Leistung empfehlen."

Der Bundestrainer ist unterdessen auf Tauchstation gegangen.Noch ist die Enttäuschung bei Berti Vogts über den frühen Abschied von der WM-Bühne zu groß, noch scheint er irritiert über die teilweise klaren Telefonumfrage-Voten gegen ihn, noch will der Bundestrainer nichts zu der öffentlichen Diskussion über die Situation des deutschen Fußballs beitragen."Ich äußere mich in den nächsten zwei Wochen weder zu diesem, noch zu irgendeinem anderen Thema", sagte Vogts dem "Kicker".

Wen Vogts von den älteren Spielern als mögliche "Säulen" für das neue Team vorgesehen hat, läßt er aus gutem Grund offen.Noch hält sich die "30er Generation" mit Rücktrittserklärungen zurück, sogar Lothar Matthäus schließt eine Fortsetzung seines Comebacks nicht aus.Bis auf Klinsmann und Kohler, die den Schlußstrich gezogen haben, hat sich noch niemand der "Oldies" über seine Vorstellungen in Bezug auf die Nationalelf geäußert.Vogts beobachtet eine Auswertung der WM, die öffentlich von seinem spielenden Personal kommen könnte, mit Argusaugen.Er würde sofort sein Schweigen brechen und reagieren, "falls einer der Spieler schmutzige Wäsche waschen würde".

Als Korsettstange würde der DFB-Cheftrainer natürlich gern Matthias Sammer in sein neues Team einbeziehen.Ihn hatte Vogts als einzigen bei der WM vermißt, nun kommen einige Hoffnungs-Signale vom Dortmunder Libero."Ich glaube, daß es gut wird.Ich will es schaffen", erklärte der Langzeitverletzte.Er sei einen großen Schritt weiter, habe das Gefühl, jetzt mit dem Lauftraining beginnen zu können: "Ich will das grüne Licht der Ärzte abwarten." Der Zeitpunkt zum Einstieg ins Mannschaftstraining sei allerdings weiter offen.Einige Male hatte Sammer, der zum WM-Auftreten seiner Kollegen keine Kommentare abgeben will, während der WM mit Vogts telefoniert.

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