Zeitung Heute : Bungee-Jumping? Nur, wenn die Welt untergeht Zukunft? Was bringt die

Kommt die Revolution, kippt die Umwelt, entschweben wir in ferne Galaxien? Geht die Welt bald unter oder sind wir irgendwann alle alt, grau und immer noch hier?

Roberta Huldisch[15 Jahre]

Am 21.12.2012 geht die Welt unter. Das sagen die Mayas. Und Hollywood, mit viel Pathos und Special Effects. Am 21.12.2012 bin ich 18 und hätte gerade mein Abitur gemacht.

Ich will nicht sterben. Ich habe sogar ein bisschen Angst. Aber ich habe keine Lust, meine letzten Monate mit Ängstlichsein zu verbringen, und schon gar nicht mit Lernen, für einen Abschluss, der mir nach der totalen Apokalypse ohnehin nur noch herzlich wenig nützen wird. Ich schmeiße die Schule, im Sommer 2011.

Ich hebe all mein gespartes Geld ab und kaufe mir einen Wohnwagen. Und dann … ja, dann mache ich all das, was ich schon immer machen wollte. Ich fahre in jedes einzelne Land dieser Welt, gehe tauchen und zum Bungee-Jumping, und wenn das Seil reißt, ist mir das egal, wir werden ja eh alle sterben, früher oder später.

Und wenn dann ein Meteorit in die Erde einschlägt oder alle Meere über die Ufer treten oder ein irgendein schreckliches Virus uns einen nach dem anderen tot umfallen lässt, dann weiß ich wenigstens, dass ich nie aufgegeben habe. Dass ich zwar ohne Abschluss, aber dafür mit unglaublich vielen Erfahrungen gegangen bin.

Ich glaube übrigens nicht, dass die Welt untergeht. Nicht in zwanzig Jahren und schon gar nicht in zwei. Tja, so bin ich eben, ein hoffnungsloser Optimist. Ich werde im Sommer 2012 hoffentlich mein Abitur machen und danach ein Jahr ins Ausland gehen und wieder zurückkommen, um zu studieren, braves Mädchen, das ich bin. Dann werde ich einen Job haben, von dem ich leben kann und irgendwann bin ich dann alt. Und ich werde mir nie einen Wohnwagen kaufen und mich nie nur an einem Gummiseil befestigt von Brücken stürzen, weil ich dafür einfach viel zu viel Angst habe.

Nein, ich möchte nicht, dass die Erde explodiert. Denn an sich ist sie ja eigentlich schon ganz schön. Ich will auch nicht mit achtzehn sterben. Aber manchmal, und das würde ich nie zugeben, wünsche ich mir schon, dass sich irgendwo einmal ein ganz kleiner Meteorit ankündigt, der ganz dezent sämtliches Leben auslöschen will. Und uns mal wieder zeigt, was wirklich wichtig ist. Roberta Huldisch, 15 Jahre

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