Zeitung Heute : Bunte Alternative

Eine Wildblumenwiese anstatt Zierrasen

Peter Busch

Faszinierend wirken im Sommer so manche Wege, Feldränder und Wiesen, auf denen sich etliche üppig bunt blühende Kräuter zeigen, oft umringt von anmutig gaukelnden Faltern. So ist es kein Wunder, dass viele Gartenbesitzer überlegen, ihren Rasen in eine Blumenwiese umzuwandeln.

Aus der Sicht der naturnahen Gartengestaltung ist die Anlage einer Blumenwiese sehr zu begrüßen. Für zahlreiche Tiere sind Wiesen ein wertvoller Lebensraum, allein schon für über tausend Insekten- und Spinnenarten. Parallel dazu nimmt das Nahrungsangebot für Kleintiere, wie Frösche, Kröten und Lauftiere, gewaltig zu, und auch bisher im Garten selten gesehene Vögel, wie Stieglitz, Distelfink, Buchfink, Gimpel oder Zitronenzeisig, ernähren sich genauso von den Pflanzen wie die Schmetterlingsraupen des Kleinen Fuchses, des Landkärtchens oder des Tagpfauenauges.

Am einfachsten ist es, den Rasen wachsen zu lassen. Es dauert aber lange, bis dann eine artenreiche Wiese entsteht. Besser, aber auch arbeitsintensiver, ist das Einbringen von Saatgut. Dies geschieht ab April bis Mai, wenn wärmere Temperaturen ein schnelles Auflaufen ermöglichen. Dazu wird der Rasen an einigen vorgesehenen Stellen „abgesodet“. Die Wildblumenmischung wird dann sehr dünn ausgesät, damit die Pflanzen nicht unnötig in die Länge schießen und infolgedessen schnell umfallen. Bei trockenem Wetter muss anfangs gesprengt werden, bis die Saat gut aufgelaufen ist. Eine reiche Artenmischung, lockerer Wuchs und sehr viele Blumen sind dann der Erfolg. Ein Mähen der neu angesäten Stellen erfolgt erst, wenn die Pflanzen geblüht und sich ausgesamt haben. So stellen diese Flächen Ausgangszentren dar, von denen später standortgerechte Pflanzen in die restlichen Wiesenflächen einwandern können.

Als weitere Möglichkeit zum Anlegen einer Wiese bietet es sich an, den ganzen Rasen oder einen gewünschten Teil, am besten ebenfalls im Frühjahr, abzusoden und anschließend eine Wildblumenmischung einzubringen. Dies ist sicher die arbeitsintensivste und auch teuerste Lösung, führt aber auch am schnellsten zum Ziel. Um einen Großteil der neuen Blumen und Gräser im nächsten Jahr nicht zu vermissen, weil ihnen unser Klima nicht zusagt, empfiehlt es sich, vorwiegend standortgerechte Arten auszusäen. Die einzige Pflege der Wiese besteht dann ein- bis zweimal im Jahr in einem Schnitt; möglich ist eine einzige Mahd im September. Sollte die Vegetation im Juni allerdings bereits höher als 50 Zentimeter sein, ist ein erster Schnitt Ende Juni und ein zweiter Ende September vorzunehmen. Das Schnittgut lässt man am besten auf der Wiese trocknen und wendet es häufig, so dass Gras- und Blumensamen zu Boden fallen und dort später wieder keimen.

Im Laufe der Jahre bildet sich so eine konstante Artenvielfalt heraus, die man entweder natürlich belässt oder aber auch bereichern kann. Botanische Arten von früh blühenden Zwiebelpflanzen sorgen für einen Frühlingsflor, wilde Malven für Sommerblüten. Jedes Jahr darf man sich dann wieder auf Abwechslungen in seiner Blumenwiese freuen, die zudem den Wechsel der Jahreszeiten deutlicher zum Ausdruck bringt als das gleichmäßige Grün des Zierrasens.

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