Zeitung Heute : Bunte Plastiktorten rollen aus der Kulisse

Der Tagesspiegel

Heute basteln wir uns eine Erfolgs-Show. Die Zutaten: Trommeln. Getrommelt werden muss, möglichst laut und lange, das geht nicht anders. Slapstick! Slapstick ist wichtig, gern auch mit Stoffenten wie bei "Pomp Duck and Circumstance". Ein wenig Akrobatik, eine Prise Zauberei - das hat noch nie geschadet, dazu eine Mitklatsch-Animation und irgendwas mit arglosen Zuschauern auf der Bühne. Das Thema des Spektakels kann zur Zeit nur Kochen sein, vorzugsweise asiatisch süß-sauer, denn das mögen die Leute überall.

Ja, so ungefähr muss "Cookin´" in die Welt gekommen sein, ein koreanischer Exportartikel, der gegenwärtig und gleichzeitig mit fünf Truppen rund um die Welt gereicht wird. Ein großer Erfolg! Das steht so jedenfalls in den ausgehändigten Pressemappen, die vor begeisterten Kommentaren aus Amerika nur so überquellen.

Dann sitzt man in der Premiere und fragt sich, ob sie uns in Berlin womöglich erst einmal die Low-Budget-Ausbildungsabteilung geschickt haben. Die fünf Protagonisten hampeln und strampeln, hacken und trommeln, sie können ein bisschen Kung-Fu und zaubern auch ein wenig. Und immer, wenn wir erwarten, dass nun endlich die kunstfertige, artistisch einmalige Show beginnt, die den Aufwand und die happigen Eintrittspreise rechtfertigen würde, wird einfach weiter gehackt und getrommelt und gehampelt und gestrampelt, mit dem Tiefgang eines Essstäbchens.

Das hat durchaus fernöstlichen Charme, ist aber durchweg, von der einfältig-brachialen Rockmusik (Konserve) über das sparsame Bühnenbild und die bestenfalls angedeutete Choreographie bis zu den percussionistischen Fähigkeiten der fünf so durchschnitttlich, dass der Beifall am Ende stark übertrieben wirkt, freundlich, allerdings durchaus enden wollend. Von koreanischer Kultur jedenfalls kaum eine Spur; dies ist ein Exportartikel, dünn destilliert aus anderen, besseren Exportartikeln: Stomp Dogs and Kochduell.

Das Grundmissverständnis besagt, dies habe mit Kochen zu tun. Gewiss: die Rahmenhandlung liegt darin, dass ein autoritärer Restaurantchef seine Leute anhält, in anderthalb Stunden ein Hochzeitsmenü zusammenzurühren. Dann wird auch gekocht, allerdings nur, wenn man bereit ist, das eilfertige Massakrieren von einem Dutzend Kohlköpfen, drei Gurken, zehn Möhren und zwei Zwiebeln tatsächlich als Kochen zu akzeptieren. Denn das Gemüse fliegt unbearbeitet in die Tonne, es wird weiter getrommelt und gehackt, und als die Zeit um ist, rollen sie ein paar bunte Plastiktorten aus der Kulisse.Tätärää!

Zwischendurch gibt es noch eine dezente Teigmanscherei als Klößchen-Wettbewerb, an dem sich vier Gäste aus dem Publikum beteiligen dürfen: Plötzlich verschwinden die Köche, die Amateure stehen allein auf der Bühne und versuchen sich, verdutzt, ebenfalls als Percussionisten: eindeutig der lustigste Moment des Abends. Dann wird zum Abschied wieder laut getrommelt, mit monotoner Intensität - doch weil die fünf wohl nicht so dicht und variantenreich können, wie sie sollten, donnert aus den Boxen neben ihnen der Drum-Sampler vom Band.

Immerhin ist nach 90 Minuten alles vorbei, Zeit, sich noch ein gutes asiatisches Restaurant zu suchen. Eins, in dem sie wirklich kochen. Bernd Matthies

Schiller-Theater, bis 27.April, Karten 30 bis 50 Euro, www.cookin.de

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