Zeitung Heute : Bunte Unterhaltung mit Micky Maus

Herbert Winkler

Auf zwei Disney-Musikdampfern kann man in der Karibik außer weißen Traumstränden auch Musicals und Shows genießenHerbert Winkler

In der Serenity Bay herrscht idyllische Ruhe. Die karibische See spült ihre sanften Wogen an den weißen Strand der Bahamas-Insel Castaway Cay und im Schutz der Sonnenschirme genießen die Urlauber einen Tag fernab vom Tourismusrummel. Ausgerechnet das Unternehmen Walt Disney, sonst nicht zimperlich mit greller und lauter Unterhaltung, bietet diese Erholung für die Passagiere seiner Kreuzfahrtschiffe "Disney Magic" und "Disney Wonder". Die beiden Ozeanliner, mit viel Edelholz und Edelstahl gestaltet, haben Platz für jeweils 2400 Gäste, und sie sind der Beitrag des Unterhaltungsgiganten zum rasant wachsenden Kreuzfahrtmarkt.

Die in Italien gebauten Schiffe mit den dezenten, gleichwohl unübersehbaren Symbolen des "Micky-Maus-Konzerns" laufen von Port Canaveral im US-Bundesstaat Florida zu drei- und viertägigen Reisen zu den Bahamas aus. Doch bevor es auf die Reise geht, stehen drei bis vier Tage Aufenthalt in "Disney World" in Buena Vista bei Orlando auf dem Plan. Auf einer Fläche von rund 120 Quadratkilometern stehen dort unter anderem vier Freizeitparks, drei Wasser-Abenteuerparks, 27 Hotels sowie ein fester Bau des Cirque du Soleil.

Nach der bunten Unterhaltung geht es mit einem der beiden Ozeanriesen erst einmal nach Nassau, in die Hauptstadt der Bahamas. Die Architektur ist auf beiden Schiffen ungewöhnlich: Auf der "Magic" ist der Stil in etwa mit Art Deco á la Micky Maus zu beschreiben, und die Gestaltung der "Wonder" erinnert an Jugendstil. Was beide Schiffe auszeichnet, ist ihre Familienfreundlichkeit. Kinder sind in den jeweils 875 Kabinen, davon liegen zwei Drittel außen, willkommen.

Auf den Schiffen ist für Entertainment gesorgt: Dem Kreuzfahrer bieten sich zum Beispiel Theater mit rund 1000 Plätzen, in denen Musicals und bunte Shows aufgeführt werden. Darüber hinaus finden sich an Bord Kinos mit den neuesten Disney-Filmen, Bars, Sporteinrichtungen sowie jeweils drei Restaurants, in denen die Gäste ihre Mahlzeiten einnehmen können. Wer es gern exklusiver hat, kann gegen einen Aufpreis in einem vierten Restaurant Plätze reservieren. Das Essen ist auch nach europäischem Geschmack bekömmlich - auf das Unterhaltungsangebot trifft das nicht immer zu.

Letzter Landgang vor der Rückkehr nach Port Canaveral ist stets Castaway Cay, eine 250 Hektar große Insel, die ebenfalls zu den Bahamas gehört. Dort liegt Serenity Beach. An diesem "Strand der Gelassenheit" können sich die Reisenden vor der Rückkehr in den Alltag noch einmal eine Atempause gönnen. Auf Castaway Cay findet sich ein Plätzchen für jeden Urlauber-Typ: Strände für Ruhesuchende, Sportenthusiasten und Familien mit Kindern sind säuberlich voneinander getrennt. Und wer nicht laufen will, kann eine Tram benutzen.

So viel Service ist wahrscheinlich nur möglich, weil Disney das ganze Eiland gekauft hat. Sogar ein Tiefwasserhafen für die Kreuzfahrtschiffe wurde ausgebaggert. Aber erst rund fünf Prozent der Inselfläche sind "entwickelt". Früher war die Insel unbewohnt - von einem Robinson Crusoe, der den routinierten Disney-Entertainern natürlich sehr recht wäre, weiß man allerdings nichts.

Schön wäre ein freundlicherer Empfang der ausländischen Gäste durch den Zoll bei der Rückkehr in den US-Hafen. Doch die Beamten zitieren Nichtamerikaner jeden Alters - Babys werden nicht geschont - morgens um 6 Uhr zur Rückgabe der Pässe, die vor dem Ablegen eingesammelt wurden. Gegen diese unsanfte Landung im wirklichen Leben kämpft zum Leidwesen Disneys selbst Micky Maus vergebens. Auskunft: Disney Cruise Line unter der Rufnummer 018 05 / 25 87 79 oder in Reisebüros.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar