Burj Dubai : Auf die Spitze

An diesem Montag öffnet der "Burj Dubai" - das höchste Gebäude der Welt. Was sagt das über Dubai aus?

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Dubai hütet seine Geheimnisse. Niemand kann sagen, wie hoch die Schulden des weltbekannten Emirats wirklich sind. Und niemand weiß, wie hoch der neue „Burj Dubai“ aufragt, der am heutigen Montagabend mit großem Spektakel eröffnet wird. „Mehr als 800 Meter“ lautete die offizielle Auskunft des Bauträgers Emaar Properties. Das sei Teil der Mystik, die das neue Haus der Superlative ausstrahlen solle, hieß es zur Begründung. Eins allerdings steht fest: Mit dem gigantischen Wolkenkratzer hat der arabische Wüstenstaat den bisherigen Rekordhalter, den 509 Meter hohen „Taipeh 101“ in der Hauptstadt Taiwans, um Längen überholt.

6000 Gäste aus aller Welt haben sich zur Eröffnung angesagt, um dem von schlechten Nachrichten arg gebeutelten Emir von Dubai, Mohammed bin Raschid al-Maktum, bei Feuerwerk und Lichtschau eine Atempause zu geben. Eigens auf den vierten Jahrestag seiner Machtübernahme hat der 60-jährige Chef von „Übermorgenland“ die Eröffnung seines neuen Luxustempels aus Eisen und Stahl legen lassen. Denn der Scheich, der in seiner Freizeit gern dichtet, twittert und Pferde züchtet, will demonstrieren, dass seine Vision von Dubai den schweren Stürmen der Weltwirtschaftskrise trotzen kann. „Ich bin ein Beduine – und Beduinen lieben Herausforderungen“, vertraute er kürzlich Gästen in seinem Palast an, während sich die mehr als 90 Gläubigerbanken und Investmentfonds bei den Umschuldungsgesprächen bislang an seinen Unterhändlern die Zähne ausbeißen.
 

Burdsch Chalifa
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04.01.2010 18:36Das Emirat Dubai eröffnet am 4. Januar 2010 das höchste Gebäude der Welt: Der mehr als 800 Meter hohe Turm hat über 1,5 Milliarden...


Mit dem neuen Weltwunder der Baukunst soll Dubai nun wenigstens für einige Tage aus den negativen Schlagzeilen herauskommen. 160 Etagen hat das von dem amerikanischen Architekten Adrian Smith entworfene Gebäude, das 2004 begonnen wurde. 850 Pfähle wurden bis zu 55 Meter tief in den Wüstenboden getrieben, um die Last von 230 000 Kubikmetern Beton und 31 000 Tonnen Stahl tragen zu können. Gesehen werden könne der Turm bei klarem Wüstenwetter aus einer Entfernung von bis zu 95 Kilometern, heißt es. Als „Kunstwerk“ und „Heim für die Elite der Welt“ preisen die Werbemanager den Gigaturm auf der offiziellen Website. 12 000 Menschen sollen am Ende in dieser vertikalen Kleinstadt arbeiten. Zwei Monate dauert es, bis alle Fensterscheiben einmal geputzt sind. 3000 unterirdische Garagenplätze stehen zur Verfügung. Und an der Spitze befinden sich das höchste Fitnessstudio sowie die höchste Aussichtsplattform der Welt, auf die bereits am Dienstag die ersten Besucher im Weltrekordaufzug hochsausen können. Weiter unten auf drei Etagen entsteht das erste Luxushotel des Globus mit Armani-Logo. Die 175 Zimmer und Suiten werden von dem italienischen Modezar persönlich gestaltet. „Die Entwicklung Dubais fasziniert mich. Ich bin überzeugt, dass das Burj Dubai zu einem weltweiten Symbol der Stadt aufrücken wird“, meinte er zur Begründung.

Die höchsten Türme der Welt
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Wie stark Bauträger Emaar Properties von der Krise betroffen ist, ist unklar. Anders als Konkurrent Nakheel, der die erste künstliche Palmeninsel vor der Küste aufschüttete und bebaute, musste Emaar bislang nicht um Aufschub bei Krediten bitten. Auch die 1100 Apartments in dem Superturm, für die bis zu drei Millionen Euro bezahlt worden sein sollen, sind „praktisch zu 100 Prozent verkauft“, wie Bill Baker wissen will, der als Chefingenieur der Chicagoer Hochhausspezialisten Skidmore, Owings & Merrill (SOM) die Konstruktion entworfen hat. Damit der Rekordturm nicht unter seiner Last aus Beton, Stahl, Aluminium und Glas zusammenbricht, entwickelte Baker einen „buttressed core“, wie er den aus Beton gefertigten Kern des Gebäudes nennt.

An der Basis hat der „Burj Dubai“ die Form eines Ypsilons, nach oben hin wird er immer schmaler. Die Spitze krönt eine gigantische Stahlkonstruktion. Das Material für die Fassade lieferte die deutsche Firma Thyssen Krupp Nirosta aus Krefeld. Daneben waren noch rund drei Dutzend andere deutsche Unternehmen an dem Bau des Wolkenkratzers beteiligt, unter anderem die Firma Bauer aus Bayern, Lopark und Dorma aus Nordrhein-Westfalen sowie die baden-württembergischen Unternehmen Meva und Strukturmetall.

Die dreiteilige Grundfläche sorgt nach Angaben von Bauleiter George Efstathiou für außerordentliche Stabilität. „Der Turm ist stabiler als andere Wolkenkratzer, die deutlich kleiner sind“, sagt er. Selbst heftige Wüstenstürme seien in dem Wohn- und Bürogiganten nicht zu spüren.

Umso härter musste Dubai in den vergangenen Wochen mit dem scharfen Wind der internationalen Finanzmärkte kämpfen. Als das Konglomerat „Dubai World“ Ende November um ein Schuldenmoratorium „mindestens bis Ende Mai 2010“ bitten musste, erschütterte das die Börsen von New York über Frankfurt am Main bis nach Hongkong. Inzwischen sprang der ölreiche Nachbar Abu Dhabi mit einer ersten Nothilfe von zehn Milliarden Dollar ein, was die Gemüter etwas beruhigte. Ursprünglich sei der 800-Meter-Turm gedacht gewesen als Wahrzeichen für Dubais Platz auf der internationalen Bühne, erklärte Christopher Davidson, Politologe an der britischen Universität Durham. „Jetzt ist er eher ein letztes Hurra auf die Boom-Jahre.“  

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