Zeitung Heute : Bush warnt vor „drittem Weltkrieg“

US-Präsident: Führer der Welt müssen atomare Aufrüstung des Iran verhindern

Christoph von Marschall[Washington]

US-Präsident George W. Bush hat seine Rhetorik im Atomstreit mit dem Iran deutlich verschärft und vor der Gefahr eines „Dritten Weltkriegs“ gewarnt. Er sei überzeugt, dass Teheran weiter den Besitz einer Atombombe anstrebe. Dies sei eine „ernste Bedrohung des Weltfriedens“, denn „Iran hat eine Führung, die erklärtermaßen Israel auslöschen möchte“, sagte Bush während einer Pressekonferenz am Mittwoch zur Mittagszeit im Weißen Haus. „Deshalb sage ich allen Leuten: Wenn ihr einen Dritten Weltkrieg verhindern wollt, dann solltet ihr sie daran hindern, die Fähigkeit zum Bau einer Atombombe zu erwerben.“

Es blieb unklar, ob Bush mit seiner Warnung vor einem Weltkrieg einen Politikwechsel ankündigen wollte. Er hatte den Atomstreit mit Iran in der 45-minütigen Pressekonferenz nicht von sich aus angesprochen. Die Formulierung fiel, nachdem er zum zweiten Mal um eine Bewertung des Treffens der Präsidenten Russlands und Irans, Wladimir Putin und Mahmud Ahmadinedschad, in Teheran gebeten worden war. Putin hatte dort gesagt, es gebe keine zwingenden Beweise, dass Teheran an der Atombombe arbeite, und die USA vor Militäraktionen gegen Iran gewarnt.

Bush betonte, er sei sich mit Putin einig im Ziel, eine iranische Atombombe zu verhindern. Deshalb arbeite er im UN-Sicherheitsrat mit Moskau und anderen Partnern an einer Verschärfung der Wirtschaftssanktionen. Russland habe bereits zwei Mal schärferen Boykottmaßnahmen gegen Iran zugestimmt. Bush nannte dies einen Beleg dafür, dass auch Putin in Irans Atomprogramm eine Bedrohung sehe. Die treibende Kraft hinter einer weiteren Verschärfung sind die USA. Russland und China verzögern die Beratungen darüber im UN-Sicherheitsrat. Ein für Mittwoch vorgesehenes Treffen dazu ließ Peking platzen – offenbar um dagegen zu protestieren, dass Bush den Dalai Lama empfangen hatte und der US-Kongress dem religiösen Oberhaupt der Tibeter die goldene Verdienstmedaille überreichte.

Die Reaktionen auf Bushs Kriegswarnung fielen in Europa und den USA sehr unterschiedlich aus. Europäische Medien stellten Bushs Bemerkung über die Gefahr eines Dritten Weltkriegs in den Mittelpunkt ihrer Berichterstattung. US-Fernsehsender berichteten zwar breit über die Pressekonferenz, erwähnten diese Passage jedoch nicht. Sie konzentrierten sich auf Bushs Äußerungen zum Haushaltsstreit mit den Demokraten im Kongress, zum Besuch des Dalai Lama in Washington und zu den Befürchtungen, dass die Türkei Militäroperationen gegen Kurden im Nordirak plane.

Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Irna hat Putin am Dienstag bei einem Gespräch mit dem geistlichen Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, einen neuen Vorschlag zur Lösung des Atomstreits gemacht. Zum Inhalt wollten sich beide Seiten nicht äußern. Irans Atomunterhändler Ali Laridschani sagte nur, Putin habe Chamenei eine „besondere Botschaft“ zur Atomfrage überbracht. Beobachter spekulieren, Putin habe eine Auszeit für die Sanktionen vorgeschlagen, sofern Teheran sein umstrittenes Programm zur Urananreicherung aussetze. Putins Besuch in Teheran ist der erste eines russischen Staatschefs seit Stalin. Im Gegenzug lud erAhmadinedschad nach Moskau ein.

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