Zeitung Heute : Camping: Manche mögen es gern kühl

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Die USA machen es vor, und Europa folgt im Abstand von zehn bis fünfzehn Jahren - so war es und so ist es auf vielen Gebieten. Die Klimaanlage im Auto macht da keine Ausnahme. In Amerika gibt es schon lange kaum einen Personenwagen ohne das kühlende Gerät. Auch bei uns hat die Eiszeit inzwischen selbst in die Kleinwagenklasse Einzug gehalten. Klimaanlagen sind zwar häufig noch ein Extra, werden aber immer öfter geordert.

Beim Wohnmobil ist das noch nicht so. Eine effektive Heizung gehört hier zwar zum Standard, gegen die Hitze des Sommers jedoch gibt es nur wenig. Weitaus mehr Womos haben beispielsweise eine Bord-Garage als eine Klimaanlage. Der Grund: Es gibt für die rollenden Wohnstuben kaum befriedigende technische Lösungen zu einem attraktiven Preis.

Lediglich Wohnmobile auf Kleinbus-Basis können die handelsüblichen Auto-Anlagen während der Fahrt nutzen. Bei größeren Fahrzeugen sind die auf Personenwagen ausgelegten Kältemaschinen einfach überfordert. Die wie ein Kompressorkühlschrank arbeitenden Geräte funktionieren auch nur bei laufendem Motor. So richtig warm im Fahrzeug wird es, wenn man mit ihm unter wolkenlosen Himmel in südlicher Sonne steht. Hier helfen Dachklimaanlagen, die ebenfalls nach dem Kompressorprinzip arbeiten.

Sie sind jedoch in der Mehrzahl nur an einem 220 Volt-Netz zu betreiben. Dabei sollte die Leitung durchaus Stromstärken von zehn Ampère aushalten können und entsprechend abgesichert sein. Viele Campingplätze in den südlichen Ländern erfüllen diese Voraussetzung nicht. Hier muss dann ein Generator den nötigen Strom liefern. Empfohlen werden Geräte mit mindestens 2000 Watt Dauerleistung. Die Preise für solche Stromerzeuger liegen allein um die 5000 Mark. Ein teures Vergnügen. Es gibt aber einen positiven Nebeneffekt: Man kann dann auch noch andere Verbraucher wie einen Kompressorkühlschrank ortsunabhängig mit 220 Volt betreiben.

Dach-Klimaanlagen lassen sich in der Regel in eine vorhandene Dachlukenöffnung montieren. Wie eine Top-Box ragt der größte Teil des Gerätes über das Dach hinaus. Die Bedien- und Luftverteileinheit kann aber auch noch einige Zentimeter in den Wagen hineinreichen. Da stößt man sich dann leicht den Kopf. Das Gewicht von Dachklimaanlagen liegt zwischen 25 und 60 Kilogramm. Die Preise schwanken je nach Leistung und Komfort zwischen 2400 und 3000 Mark.

Mit guten Geräten in ausreichend isolierten Räumen ist durchaus ein Temperaturunterschied zwischen außen und innen von 20 Grad Celsius zu erreichen. Bei niederschmetternden 40 Grad Umgebungstemperatur werden so kommode 20 Grad im Wohnraum möglich. Höchst angenehm: Klimaanlagen entfeuchten die Luft, nehmen ihr die Schwüle. Fast alle Anlagen bieten zusätzlich die Möglichkeit zum Heizen. Warme Luft von der Decke ist nicht nur an kalten Wintertagen manchmal angenehm.

Seit einiger Zeit werden auch zwölf Volt Kompressor-Klimaanlagen angeboten. Sie gehören zu einer neuen Generation energiesparender Kältemaschinen. Mit einer Leistungsaufnahme von nur 350 Watt können die Geräte bei einer Versorgungsspannung von zwölf Volt einen Raum von 15 Kubikmetern kühlen. Das entspricht etwa einem fünf Meter langen Alkoven-Modell.

An sonnigen Tagen können solche Anlagen auch über mehrere Stunden mit einem Solarmodul betrieben werden. Das bringt angenehme Kühle zum Nulltarif. Während der Fahrt reicht die Lichtmaschine des Wohnmobils für die Stromversorgung. Eine Batterie mit 125 Ampère-Stunden eignet sich ebenfalls als Energiequelle. Mit einem normalen 20 Ampère Ladegerät kann die Batterie während einer längeren Standzeit bei Kräften gehalten werden. Der Strombedarf dafür ist relativ gering. Für den Betrieb dieser Klimageräte reichen schon sehr niedrig abgesicherte Stromkreise aus. Auch das Gewicht von rund 30 Kilogramm ist für viele Wohnmobildächer kein Problem. Bleibt der Preis von rund 4500 DM.

Noch kostengünstiger sind die auf Verdunstungsbasis arbeitenden Klimaanlagen. Hier ist man bereits mit 1700 Mark dabei. Mit acht Kilogramm sind diese Geräte wahre Leichtgewichte. Hinzu kommen jedoch noch ein separater Wassertank und eine zwölf Volt-Pumpe, die extra im Fahrzeug untergebracht werden müssen. Kühlen durch Verdunsten von Wasser war bereits den alten Ägyptern bekannt. Die für das Verdampfen des Wassers notwendige Energie wird dabei der warmen Luft entzogen. Das Ergebnis: Sie wird kälter.

Ein modernes, mit Ventilator und Wasserpumpe ausgerüstetes Aggregat verbraucht in der Stunde etwa einen halben Liter Wasser. Spürbar kann eine derartige Anlage natürlich nur arbeiten, wenn die warme Luft relativ trocken ist und eine große Menge verdunstetes Wasser aufnehmen kann. Da liegt die Schwachstelle. Bei hoher Luftfeuchtigkeit - etwa schwülwarmem Gewitter-Wetter, tendiert der Kühleffekt allerdings gegen null.

Diese Anlagen können während der Fahrt von der Lichtmaschine mit Energie versorgt werden, und auch sonst reicht eine Zusatzbatterie aus. Bei einer Leistungsaufnahme von nur 40 Watt ist die Versorgung über eine Solarenergiefläche sogar an leicht bedeckten Tagen möglich. Heizen kann man mit der Verdunstungsklimaanlage selbstverständlich nicht.

Aber auch weniger aufwändige Methoden sorgen für frische Luft im Wohnmobil. Durch einfache Dachhauben kann während der Fahrt die heiße Luft entweichen. Selbst im Stand machen zwei bis drei solcher Luken die Innentemperatur erträglich. Für eine Dachhaube mit integriertem Moskitonetz und Federausstellern muss man zwischen 70 und 200 Mark ausgeben. Es gibt Dachfenster in fast jedem Format. Die größten kann man schon als Dachkuppeln bezeichnen. Wohnmobile werden damit zu einer Art Wintergarten. Sind sie geöffnet, kommt genug frische Luft herein. Geschlossen heizen sie jedoch den Innenraum wie mit einem Brennglas schnell auf.

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