Zeitung Heute : Cappuccino statt einfach heißer Kaffee

KLAUS ANGERMANN

Das Bummeln rund um die Uhr in Online-Kaufhäusern findet in der Internet-Gemeinde immer größeren Zuspruch.Große Firmen springen ebenso wie die kleinen verstärkt auf diesen Zug und bieten Shop-Software fürs Internet in den verschiedensten Variationen - unterschiedlich aufwendig und kostenintensiv - an.

Ein Online-Shop, der bereits auf der "Internet-World" im Frühjahr in Berlin vorgestellt wurde und schon vor seiner endgültigen Marktreife hochgelobt wird, ist der "cappuccino" von der jungen Weilheimer Entwicklungsfirma Beans Industry.Mit ihrem Shop gehen die Weilheimer einen neuen Weg: Ihre Software ist komplett in der Internet-Programmiersprache Java programmiert, das klassische HTML-Dokument dient nur noch zur Einbettung des Java-Programmes.Der Anbieter verspricht sich dadurch mehr Komplexität und Interaktivität; die Möglichkeiten des Kunden sollen somit gegenüber traditionellen HTML-Shops flexibel erweitert werden können.

Neu ist auch das Vertriebskonzept.Man kauft die Software nicht, sondern mietet, wobei die Kosten nach Artikelmenge und Mietdauer gestaffelt sind.Beans sucht dafür vorwiegend Partnerschaften mit Internet Service Providern (ISP), die auf Provisionsbasis vorgefertigte Mietverträge vermitteln.Diese ISPs sind dann Ansprechpartner für den Shop-Betreiber, bekommen von Beans alle Updates kostenfrei zur Verfügung und haben somit keine weiteren Kosten.Der Vorteil dabei: Der Shopbetreiber hat je nach Wahl des ISP einen lokalen Partner.Natürlich gibt es eine Hotline zu Beans, auf Wunsch werden auch Schulungen angeboten.

Die Firma selbst spricht von einem "Quantensprung im E-Commerce".So kann man den Internet-Laden durch die Integration beliebig vieler weiterer Shops zu einem Online-Kaufhaus ("Mall") ohne Zusatzkosten nach eigenen Wünschen ausbauen.Die Ausstattung läßt nichts vermissen: Ein Warenkorbsystem, die Überprüfung über den Lagerbestand oder die Ausgabe in mehreren Sprachen und Währungen ist ebenso vorhanden wie die mögliche Implementierung von Multimediaelementen wie Bild-, Video- oder Ton-Dateien.Vielfältig einstellbare Suchfunktionen durchsuchen den Bestand, als Hinweis auf aktuelle Angebote kann ein Newsticker und ein Schwarzes Brett sowie eine Mailing-List eingerichtet werden.Voraussetzung für den Betrieb von cappuccino ist eine ODBC-fähige Datenbank (beispielsweise Oracel, Access oder ein SQL-Server).

Besonders bei der Shop-Installation kann das Software-Packet einen seiner Vorteile ausspielen: Die Software bietet vielfältige Einstellmöglichkeiten, die nicht allzu kompliziert zu nutzen sind.Auch der Sicherheitsaspekt ist berücksichtigt.Die "Beans-Security-System" genannte Methode verschlüsselt die Daten, versieht diese mit einem Public Key und komprimiert sie zusätzlich.

Beans Industry verfolgen ehrgeizige Ziele und versprechen die weltweite Markteroberung ab dem Jahr 1999.Dem stehen aber wohl noch einige Hürden entgegen.Zwar relativiert Michael Becker, nördlicher Vertriebsleiter bei Beans, diese Ziele: "Wir sind noch am Anfang, der ganze Markt steckt gewissermaßen in den Babyschuhen." Dennoch muß sich das Unternehmen an seinen Versprechungen messen lassen.Die Demo-Version auf ihrem Server läuft nur mit dem Internet Explorer 4.01 einigermaßen und verweigert unter anderen Browsern hartnäckig die Arbeit.Der Grund hierfür ist ausgerechnet das von Beans hochgelobte Java.Java 1.1 wird noch von den wenigsten Browsern vollständig unterstützt, doch Beans will darauf reagieren.Zur Zeit ist ein neues Release in der Test-Phase, das kompatibel zu Java 1.02 sein soll und somit auch mit Navigator 2.02 oder Internet Explorer 3.01 laufen soll.Auch soll dabei die Geschwindigkeit, ein weiterer Pferdefuß der Demo-Version, merklich gesteigert werden, wie der Vertrieb versicherte.

Bedenken vor allzu langen Ladezeiten der Shopsoftware hat Frank Lach von "Stern Internetdienste" aus Hanau ( www.internetdienste.de ) keineswegs.Er ist einer von derzeit etwa 70 Partnern, die mit Beans kooperieren."Wir haben bereits erste Anfragen für unsere Mall", bestätigt er.Seine Mitarbeiter ließ er in Workshops von Beans schulen und glaubt sich für die Anforderungen gerüstet.

Beans hat die eigene Meßlatte sehr hoch angesetzt.Es bleibt abzuwarten, ob sie die eigenen Anforderungen erfüllen können.Beseitigen sie die derzeitigen Krankheiten rechtzeitig, steht ein interessantes Produkt zur Verfügung, das mit überschaubaren Kosten lockt: So kostet die "small Version" monatlich 100 Mark (Laufzeit drei Jahre).Ist man an cappuccino interessiert und arbeitet bereits mit einem Provider zufriedenstellend zusammen, lohnt sich eine Anfrage; sicherlich lassen sich die Kosten noch verhandeln.Der unschlüssige Betreiber kann übrigens eine vollausgestattete 30-Tage-Testversion für 50 Mark erwerben und sich somit ein Bild verschaffen.

Informationen unter www.beans.de oder Telefon: 0881-989 94-0.

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