Zeitung Heute : CD-ROMs gehören nicht auf den Müll

MARIE-LUISE GOERKE

30 000 Tonnen der Datenträger gelangen jedes Jahr in Umlauf / Wiederverwertung möglichVON MARIE-LUISE GOERKEMittlerweile gehört ein CD-ROM-Laufwerk zum Standardequipment eines Computers und fast jeder Computernutzer weiß, daß der kleine graue Kasten zum Ausfahren keine Kaffeetassenablage, sondern ein CD-ROM-Laufwerk ist.Das er sinnvoll nutzen kann.CD-ROMs bieten im Vergleich zu Disketten mit rund 650 Megabyte ein Vielfaches an Speicherkapazität, ersparen einem das lästige Wechseln der Programmdisketten, das Schleppen der dicken Handbücher und nehmen zudem weniger Platz auf dem Schreibtisch weg. Aber jeder, der sich schon einmal eine Computerfachzeitschrift gekauft hat oder auf Elektronikmessen herumgewandert ist, weiß auch, daß die CD-ROM immer häufiger als Werbeträger eingesetzt wird, mit dem sich - genauso wie mit vielen anderen Werbeträgern - in den meisten Fällen nichts anfangen läßt.Und so landen die kleinen Dateneinwegscheiben früher oder später in der Abfalltonne - was durchaus kein Straftatbestand ist.CD-ROMs sind laut Auskunft der Berliner Stadtreinigungsbetriebe nämlich kein Sondermüll und können daher zusammen mit dem normalen Hausmüll entsorgt werden.Die Silberlinge bestehen zu über 90 Prozent aus Polycarbonat, einem Plastikwerkstoff, der dann mit Aluminium bedampft und mit Schutzlack versiegelt wird.Damit sind sie zwar nicht so umweltschädlich wie beispielsweise Produkte, die schwermetallhaltig sind, in den Hausmüll gehören sie trotzdem nicht, sagt Carmen Schulze, Pressesprecherin vom Bund für Umwelt und Naturschutz: "Plastikmüll gehört nicht in Verbrennungsanlagen.Es ist auf jeden Fall besser, Müll zu vermeiden und Rohstoffe mehrmals zu nutzen." Doch die Herstellung einer CD ist trotz Energie- und Rohstoffverbrauch kostengünstig.Eine Diskette zu duplizieren kostet mittlerweile genausoviel wie die Anfertigung der kleinen Scheibe, und daher wird sie auch kräftig produziert - ob es sinnvoll ist, oder nicht. "Gerade bei den Zeitschriften-CD-ROMs sind das oft nur Aufmacher, die davon profitieren, daß die CD ein sehr hochwertiges Image hat und durch die Silberscheibe an ein Geldstück erinnert," sagt Dieter Gross.Er ist der Sales and Marketing Director von Berlin Optical Disc, kurz: BOD, einer Firma, die öko-zertifizierte, also umweltfreundlicher produzierte, CDs herstellt.Auch CD-ROMs, und das nicht zu knapp.Rund 30 bis 40 Prozent des Gesamtauftragsvolumens von BOD liegen im Multimediabereich, Tendenz steigend. In ganz Deutschland werden Schätzungen zufolge rund 30 000 Tonnen CD-ROMs jährlich in Umlauf gebracht.Wenn nur ein Fünftel davon im Hausmüll landet, wären das 500 Tonnen CD-ROM-Schrott pro Monat, mit steigender Tendenz.Um diesem Müllberg zu begegnen, startete seit Juni dieses Jahres die Computerzeitschrift "CHIP" gemeinsam mit Herstellern und dem Bundesministerium für Umwelt eine CD-ROM-Rückholaktion.In großen Computerläden kann jeder die kleinen Scheiben kostenlos abliefern, die dann der Wiederverwertung zugeführt werden sollen.Aus den alten CD-ROMs entstehen zwar keine neuen, aber für Computergehäuse, CD-Boxen oder Videokassetten ist das geschredderte Polycarbonat noch zu gebrauchen und als Rohstoff begehrt. Vielleicht haben ja auch die CD-ROM-Vertreiber bald ein Einsehen und verschonen die Kunden zukünftig mit ihrem Datenmüll.Immerhin haben aufmerksame Computerzeitschriftenleser in den letzten Wochen etliche CD-ROMs stapeln können, auf denen die Zugangssoftware für Online-Dienste zu finden ist.Jeder Zugang auf einer eigenen CD-ROM, versteht sich.

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