Zeitung Heute : cducsu.de: Mit Laptop ohne Lederhose

Markus Ehrenberg

Friedrich Merz liegt an sechster Stelle. Die Homepage des CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden lässt die der meisten anderen Bundestagsabgeordneten hinter sich. Das ergab ein Internet-Check von "politik digital". Seit Donnerstag liegen Merz und seine Fraktion sogar ganz vorne, zumindest vor den SPD-Abgeordneten - mit ihrer neuen Internet-Präsenz cducsu.de.

Beide Volksparteien bastelten in den vergangenen Wochen am Online-Auftritt ihrer Volksvertreter. Nun haben die Schwarzen die Nase vorn: cducsu.de ist eher drin als spdfraktion.de. Und damit das auch jeder mitkriegt, wurde der konservative StartUp am Donnerstag mit ein paar MdBs am Potsdamer Platz gefeiert und live im Internet übertragen. Wenn es darum geht, den Wähler schnell und interaktiv mit seinem Abgeordneten zusammenzubringen, ist die neue Homepage hübsch basisdemokratisch. Für jeden MdB mit Lebenslauf, Biografie, Ressort und E-Mail-Adresse. Denn alle Kraft geht vom Volke aus. So kann sich der CDU-Kreisverband oder die Lokalzeitung von Klein Kleckersdorf jederzeit über die parlamentarische Arbeit informieren. Damit das auch jeder am Laptop lesen kann, wurde die Website mit einer "Nur-Texte-Version" sehbehindertenfreundlich gestaltet. Ganz ohne Bilder. Schließlich geht es um Inhalte.

Und die wollen schnell transportiert werden, an der Schwelle zum digitalen Zeitalter. Gutgelaunt wies Friedrich Merz auf die "steigende Bedeutung des Neuen Mediums für die politische Kommunikation" hin. Die Internetbeauftragte der Fraktion, Martina Krogmann, erinnerte daran, dass es mit einer munteren Fraktions-Page ("Politik mit Durchklick") nicht getan ist, wenn es um Deutschlands Zukunft geht, Stichwort Breitband-Internet: "In Estland wird schon 2003 online gewählt. Davon sind wir technisch noch weit entfernt."

Erst einmal müssen alle Bürger sicher ins Netz, vor allem aber die gelaunchte Website der SPD-Fraktion, "mit frischem Design und optimierter Struktur". Am 17. April soll es soweit sein. Den "Roten Boten"-Newsletter kann man jetzt schon abonnieren. Ob die Chats, E-Mails, Online-Sitzungskalender und Interaktionen helfen, nicht nur eine Million User im Monat, sondern auch Wahlen zu gewinnen, attraktiver zu werden, ist fraglich.

Denn solch Bürgernähe im Netz hat ihren Preis. "Viele fühlen sich, im Gegensatz zu früher, über das Netz ausreichend informiert und sehen keinen triftigen Grund mehr, in die Partei einzutreten", so eine erstaunliche Einsicht hinter vorgehaltener Hand. Das tat dem CDU/CSU-StartUp-Abend allerdings keinen Abbruch. Viel frischer Wind und Multimedia-Aufbruch am Potsdamer Platz. Alles wird byte.

Doch Vorsicht, CDU/CSU. Dass das mit dem Internet auch nach hinten losgehen kann, ahnt US-Präsident George W. Bush. Der will gar keine E-Mails mehr schreiben, weil er fürchtet, dass diese veröffentlicht werden könnten. Damit dürfte George W. Bush durch den nächsten Internet-Check fallen.

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