Zeitung Heute : Chance statt Karriereknick

ANDREAS ROEPKE

Ob promoviert, habilitiert oder angelernt.Eintretende Arbeitslosigkeit macht allen Betroffenen gleichermaßen zu schaffen.Wirklich allen? Zumindest Beschäftigte der oberen und obersten Management-Ebenen nutzen seit einigen Jahren die Möglichkeit, sich bezüglich der Fortsetzung ihres beruflichen Werdeganges professionell beraten zu lassen.Als zusätzliches Angebot zu den Beratungsleistungen der öffentlichen Arbeitsverwaltung hat sich im Dunstkreis von Personal- und Unternehmensberatungen eine neue Dienstleistung etabliert."Outplacement" heißt sie und konnte sich in den letzten zehn Jahren von einem relativ unbekannten zu einem eigenständigen und in die betriebliche Personalarbeit eingebundenen Beratungsangebot entwickeln.

Eigentlich ist dieser Service ein alter Hut.Schon in den sechziger Jahren hat die amerikanische Luftfahrtindustrie als Reaktion auf die damals anstehenden Massenentlassungen Konzepte zur Betreuung ausscheidender Mitarbeiter entwickelt.Bis sich der Gedanke der sozialen Verantwortung gegenüber langgedienten Führungskräften auch in deutschen Unternehmen etablieren konnte, mußten zwanzig Jahre vergehen.Doch nun erfreut sich die Branche beachtlicher Umsatzsteigerungen."Im Jahre 1997 haben wir an acht Standorten in Deutschland und in der Schweiz nahezu 300 Führungskräfte bei ihrer beruflichen Neuorientierung betreut, davon alleine rund 40 in Berlin", sagt Herbert Mühlenhoff, Geschäftsführer von Mühlenhoff & Partner, einer der führenden Outplacement-Gesellschaften in Düsseldorf.

Die Gründe, die zur Einschaltung eines Outplacers führen können, sind vielfältig.Gerade die erwünschte Diskretion und der Versuch, die Trennung rational und emotional in den Griff zu bekommen, sind für viele Unternehmen Grund genug, sich professionelle Hilfe ins Haus zu holen.

In der ersten Beratungsphase muß zunächst die berufliche Zielsetzung definiert werden.Stärken und Schwächen werden analysiert, Leistungen, Kenntnisse und Fähigkeiten penibelst unter die Lupe genommen.Für viele Manager eine ungewohnte, nicht selten auch unangenehme Prozedur.Ähnlichkeiten mit einer psychotherapeutischen Sitzung sind gerade in dieser ersten Phase der Beratung nicht zufällig.

Daß soviel Einfühlungsvermögen seinen Preis hat, versteht sich von selbst.Bezüglich der Honorarregelung hat sich ein Betrag von 17-20 Prozent des letzten Jahresbruttogehalts des Managers (mindestens jedoch rund 30 000 Mark) in der Branche durchgesetzt.

In der zweiten Phase folgt der Aufbau einer Marktstrategie.Hier wird festgelegt, mit welchen Aktivitäten der anvisierte Markt bearbeitet werden soll.Referenzen, Zeugnisse und Lebenslauf werden optimal gestaltet.Erst jetzt beginnt die eigentliche Bewerbungskampagne.Das systematische Aktivieren persönlicher Kontakte ("networking") gehört ebenfalls zur zweiten und entscheidenden Phase des Outplacements.Besonders wichtig ist hier die Erfolgskontrolle bereits durchgeführter Aktivitäten.Alles wird festgehalten, überwacht, kontrolliert, bewertet.Die arbeitssuchenden Manager sind im Durchschnitt 44 Jahre alt und verdienen um die 150 000 Mark im Jahr.Doch mittlerweile taucht auch der hochqualifizierte, auf Karriere getrimmte Enddreißiger schon unter Mühlenhoffs Kunden auf.

Wenn alles gut geht, dann hat die Führungskraft nach zirka vier Monaten einen neuen Job.Immerhin 88 Prozent von Mühlenhoffs bisherigen Klienten beurteilten die Betreuungsleistung als sehr wertvoll.Sie haben mit seiner Hilfe ihre Zielposition erreicht und konnten in der dritten Phase des Outplacements manchmal sogar zwischen verschiedenen Jobangeboten wählen.Das häufig anzutreffende Mißverständnis, daß ein Outplacement-Berater Jobs vermittelt, würde der Grundidee der Beratungsleistung zuwiderlaufen.Vielmehr geht es darum, daß der Betroffene sich mit professioneller Unterstützung seine geplante und strukturierte Vorgehensweise selbst erarbeitet.

Und was hat das Unternehmen davon? Es bewahrt sich selbst vor herben Imageverlusten und einer möglichen Beeinträchtigung des Betriebsklimas.Man zeigt nach innen wie nach außen, daß man gewillt ist, den Betroffenen fair zu behandeln und ihn bei seinem beruflichen Fortkommen bestmöglich zu unterstützen.

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar