CHANSON-POPMarc Almond : Viele Wege führen zum Ruhm

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Wikipedia behauptet, Marc Almond habe über 30 Millionen Platten verkauft. Das wirkt ein wenig übertrieben, selbst wenn man es auf über drei Karrierejahrzehnte des schillernden Crooners verteilt. Na gut, mit Soft Cell hatte er in England fünf Top-10-Hits, darunter der Evergreen „Tainted Love“, das Remake eines Sixties- Soulfegers von Gloria Jones, jener Frau, die das Auto steuerte, in dem Glamrock-König Marc Bolan zu Tode kam. Sorry, aber man schweift leicht ab, wenn man sich mit Marc Almond beschäftigt.

Eigentlich ist die Laufbahn des 54-Jährigen eine einzige Abschweifung. Immer wenn man dachte, dass er endgültig durchstartet – etwa 1989 nach seinem Millionenseller „Something’s Gotten Hold Of My Heart“ (wieder ein Remake) –, driftete Almond vom Pfad des Erfolgs ab. Dabei weisen seine Aktivitäten in viele Richtungen und schlagen Brücken vom Mainstream zum Underground und zurück. So hat er, vom Soft-Cell-Ruhm zehrend, immer wieder prominente Partner gewinnen können, und niemand würde es überraschen, wenn er nochmal an der Seite von Superstars wie Elton John oder George Michael auftauchen würde. Andererseits tummelt er sich zwischen schrägen Figuren wie der Transgender-Chanteuse Baby Dee, den Folk-Apokalyptikern Current 93 oder russischen PopAltmeistern, mit denen er vor zehn Jahren ein spannendes Kapitel westöstlicher Geschichtsaufarbeitung schrieb. Almonds jüngste Platte brachte Adaptionen von Klassikern der homoerotischen Lyrik im superopulenten Barock-Pop-Gewand – ganz großes Drama mit einer der markantesten Stimmen im Popbetrieb.

Jörg Wunder

Huxleys Neue Welt, So 15.1.,

20 Uhr, 41 €

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