Zeitung Heute : Chill-out vor dem Check-in

Der Stressfaktor von Flughäfen ist hoch. Doch im Einerlei der Betonpisten entstehen weltweit immer mehr Wellness-Oasen

Tong-Jin Smith
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Wartezeiten am Flughafen sind oft gleichbedeutend mit Langeweile. Egal, ob Businessflieger oder Urlaubsflieger, jeder kennt das Phänomen: Wie oft kann man die Duty-free-Shops auf und ab gehen, bevor man das Sortiment auswendig kennt? Wer jetzt allerdings genau hinsieht, wird auf vielen internationalen Flughäfen Wellness-Oasen finden. Langeweile adé?!

„Ein Airport-Spa ist eine naheliegende Idee“, sagt Sylvia Glückert, Unternehmensberaterin für Spa- und Wellness-Anlagen, „denn durch frühe Eincheckzeiten wegen verschärfter Sicherheitsmaßnahmen, immer häufigere Verspätungen im Flugverkehr und lange Stop-overs bei interkontinentalen Flügen gibt es an Flughäfen ein großes Gästepotenzial für Spa- und Wellnessanwendungen aller Art. Manche möchten nach einem langen Flug Verspannungen lösen und schnellstmöglich wieder fit werden, andere im Voraus etwas gegen Jetlag tun und wieder andere geschwollene Augen, dehydrierte Haut oder schwere Beine vermeiden.“

Der Trend zum Airport-Spa kommt aus den USA. Dort gibt es bereits die unterschiedlichsten Wellness-Konzepte. Darunter so einfache wie Destination Relaxation, ein Massage-Kiosk am Baltimore-Washington International Airport. Hier gibt es am Pier A 15- bis 30-minütige Nacken- und Rückenmassagen. Chris Rupprecht von Southwest Airlines – in deren Terminal Destination Relaxation seinen Wellness-Kiosk betreibt – ist überzeugt, dass die Massagen zum Stressabbau für Passagiere und Flughafenpersonal beitragen: „Der Flughafen ist eine Umgebung mit hohem Stressfaktor, insbesondere seit dem 11. September. Die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen haben das Fliegen anstrengender gemacht als vorher. Passagiere sind daher sehr dankbar, dass sie sich hier massieren lassen können. Viele sagen, dass es ihnen das Fliegen angenehmer macht."

Etwas mehr bietet XpresSpa. An 16 internationalen Flughäfen – unter anderem in New York, San Francisco, Orlando, Dallas, Atlanta und Amsterdam – gibt es neben Massagen auch Maniküren, Pediküren, Gesichtsbehandlungen sowie Wachsenthaarungen. Nach dem Motto „ohne Erste-Klasse-Ticket eine Erste-Klasse-Behandlung“ werden hier gestresste Flieger – über 50 Prozent der Gäste sind Männer – verwöhnt. In der Schublade liegen noch Pläne für Cancun und München. Ein etwas anderes Konzept fährt dagegen das OraOxygen Spa an den Flughäfen von Calgary und Detroit. In futuristischen Locations können sich Fluggäste mit Sauerstoff-Anwendungen revitalisieren. Wer stundenlang die gefilterte Kabinenluft im Flieger eingeatmet hat, darf sich bei OraOxygen auf frischen Sauerstoff bei Entspannungsmusik freuen. Neben der Sauerstoffbar gibt es auch kosmetische Sauerstoffbehandlungen zur Rehydration der Haut sowie Massagen zur Entspannung.

Eine etwas luxuriösere Alternative zum Stress des Fliegens bieten die JetSetter Spas an den Flughäfen von Boston und Miami. In 20 bis 25 Minuten bekommen hier Reisende eine umfangreiche Beautybehandlung oder eine entspannende Rücken- und Nackenmassage. Und wenn die Wartezeit doch länger ist, empfiehlt sich ein „Layover"-Paket mit Massage, Facial und Pediküre. Entspannung garantiert. Ähnlich geht es mittlerweile auch auf anderen Flughäfen zu: In Mailand, Frankfurt, Paris und Zürich lockt Be Relax mit einem umfangreichen Pflege- und Entspannungsprogramm.

Am Flughafen München lockt, wie in Hongkong und Johannesburg, ein im Flughafen integrierter Airport-Hotel-Spa. Zwischen den beiden Terminals 1 und 2 gelegen und bequem zu Fuß zu erreichen, findet man hier im Kempinski Health Club Entspannung und Erholung. Aber nicht nur die Flughafenbetreiber und Airport-Hotels haben den Trend zum Walk-in Spa erkannt, auch Fluggesellschaften bieten ihren Gästen der Business und First Class meist kostenlose Spa-Services in ihren Lounges an. An den Flughäfen London Heathrow und New York JFK hat British Airways für seine Premiumgäste Travel Spas eröffnet. Die von Elemis betriebenen Lounges bieten spezielle 15-minütige Massagen. El Al bietet am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv neben der exklusiven King David Lounge in Zusammenarbeit mit Israels führendem Wellness-Center Carmel Forest Spa Resort einen Spa mit verschiedenen Massagen und Aromatherapieanwendungen. Ganz besonders luxuriös geht es in Doha zu, wo Qatar Airways sich an seiner Heimatbasis einen ganzen Terminal für Reisende der First und Business Class hat bauen lassen.

Ganz im Sinne des Smart-Spa-Trends - also gute Leistungen zum günstigen Preis – sind in den meisten Airport-Spas die Anwendungen bezahlbar.

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