Zeitung Heute : CompuSurfen im Internet

HANS-PETER STRICKER

Online-Dienst will Angebot bald nur noch im WWW präsentierenVON HANS-PETER STRICKER

Eigene Dateiformate und Datenübertragungsverfahren wird sich auf Dauer kein Online-Dienst mehr leisten können.Dafür sind die weltweit verbindlichen Standards des Internet sind zu dominant geworden, die entsprechende Software weiter verbreitet als die aller Online-Dienste zusammen.Daher heißt die Devise bei CompuServe: Besinnung auf das inhaltliche Angebot.Und geordneter Rückzug.Denn mit der Umstellung auf Internet-Technik gibt ein Online-Dienst wie CompuServe ein Stück seiner Identität preis, entwickelt er sich doch mehr zu einem bloßen Bestandteil des Internet. Unter den Online-Diensten der ersten Stunde hat sich CompuServe am konsequentesten zum Ziel gesetzt, sein Angebot nach und nach nur noch im World Wide Web (WWW), der grafischen Oberfläche des Internet, zu präsentieren.Doch die Umstellung ist nicht einfach.Abgesehen von den Kunden, die sich nach wie vor der alten Zugangssoftware und Benutzeroberfläche, dem CompuServe Information Manager (CIM), bedienen möchten, muß das Informationsangebot selber den neuen Standards angepaßt werden.Die Konvertierung zehn- und hunderttausender Dateien in das entsprechende Format aber ist keine Aufgabe, die per Mausklick zu erledigen wäre. Um den Übergang für alle Beteiligten möglichst schmerzfrei zu gestalten, hat man sich bei CompuServe - wie übrigens auch bei T-Online - dafür entschieden, die eigentlich inkompatible alte mit der neuen Technik in einer Art Interimslösung zu kombinieren: Angebote in herkömmlicher CompuServe-Technik werden nach wie vor mit dem Informationsmanager WinCIM betrachtet, solche in Internet-Technik mit einem WWW-Browser.Der wird automatisch aufgerufen, wenn aus WinCIM heraus eines der (allerdings noch raren) CompuServe-Angebote im WWW-Format aufgerufen wird und kann daraufhin zum freien Surfen im World Wide Web benutzt werden.Wer das ohne Umwege tun will, ruft den Browser aus WinCIM heraus, indem er den Befehl GO INTERNET eingibt und anschließend auf "World Wide Web" klickt. Hyperlinks, die per Mausklick aus dem World Wide Web zurück zu CompuServe führen würden, liefert WinCIM noch nicht.Sein Nachfolger, die Benutzersoftware "CompuServe 3.0" (bislang nur für Windows 95), hat aber auch das schon realisiert.Hier kann der Nutzer in einer WWW-Seite auf ein als Hyperlink markiertes "Go Irgendwohin" klicken und landet wieder bei CompuServe.Außerdem bleibt er bei allen Bewegungen immer an der gleichen Oberfläche, denn in "CompuServe 3.0" ist der WWW-Browser, Microsofts Internet Explorer, tatsächlich vollständig integriert.Keine neuen Fenster öffnen sich mehr, nur die Bedienelemente auf dem Bildschirm ändern sich (und das unauffällig). CompuServe wird nur durch die Exklusivität seines inhaltlichen Angebotes eigenständig bleiben, und wird sich dieses auch künftig bezahlen lassen.Dem unbefugten Allerwelts-Surfer bleibt der Zugang versperrt: "Geschlossene Gesellschaft" heißt es, wenn er von einer der vielen freizugänglichen CompuServe-Übersichtsseiten (etwa http://www.compuserve.de) zu einem der kostenpflichtigen Angebote zu gelangen versucht.Das Paßwort kennt nämlich nur der zahlende CompuServe-Kunde. 12.02.97

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