Zeitung Heute : Coole Säue

F.N.

F.N. Tarantino läßt grüßen: Ralf Huettners Polizeikomödie "Die Musterknaben" Unter den deutschen Filmemachern gibt es Profis und Dilettanten - und es gibt Ralf Huettner, der sich jeder Kategorisierung verweigert.Allem Anschein nach ist er jemand, der zwar sein Handwerk versteht, der jedoch alles tut, um seine Filme schmuddelig und unfertig aussehen zu lassen.Mit unterbelichteten, blau- bis grünstichigen Bildern, im Stil alternativer Musikvideos, beginnt seine Kriminalkomödie "Die Musterknaben", untermalt von den Hip-Hop-Klängen der "Coolen Säue".Keine Frage, hier stehen Anti-Helden im Mittelpunkt, und bei einem der beiden Protagonisten fragt man sich, wie er überhaupt in den Polizeidienst gekommen ist: Docker (Jürgen Tarrach) bringt zuviel Gewicht auf die Waage, um Verbrecher jagen zu können, er grillt auf dem Balkon und vergißt, sein Hemd zuzuknöpfen, damit auch jeder seinen Bauchnabel sehen kann.Sein Kollege Dretzke (Oliver Korritke) ist zwar durchtrainiert und tritt selbstbewußter auf, doch mehr Erfolg bei Frauen hat er deswegen auch nicht. Liebenswerte Versager sind sie beide, nützliche Idioten, die vom Düsseldorfer Landeskriminalamt beauftragt werden, eine Dealerwohnung zu observieren - ohne zu ahnen, daß die eigenen Vorgesetzten mit Drogen handeln.Aber die kleinen Beamten sehen mehr, als beabsichtigt war, und beweisen schließlich doch noch ihren Heldenmut.Huettner und seinem Darsteller-Duo ist ein bewundernswerter Balanceakt gelungen: Docker und Dretzke wirken vertrottelt und haben doch noch einen Rest von Intelligenz, der es ihnen erlaubt, die Intrige zu durchschauen.Wie sie sich beim Ermitteln anstellen, das ist amüsant.Insgesamt bestimmen allerdings Schmutz und Kälte den Film, und es gibt ein blutiges Finale.Wenn es nicht ganz zum Kultfilm à la "Pulp Fiction" ausreicht, dann liegt es an Huettners fehlender Radikalität: zuwenig Kalauer, zuwenig Blut, zuwenig Dummheit.So ist es wieder einmal der Ansatz, der Lob verdient, weniger die Ausführung. Filmkunst 66

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