CROONERMichael Bublé : Fisherman’s Friend

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Vermutlich dürfte Michael Bublé froh darüber sein, dass Robbie Williams nur alle Jubeljahre mal – wie jüngst mit dem Album „Swings Both Ways“ – sein Talent als Crooner abruft. Denn mit dem generationsübergreifenden Crossover-Potenzial eines globalen Popsuperstars kann der 38-jährige Kanadier mit dem Schwiegersohnappeal und blütenweißen Saubermannimage trotz millionenfacher Plattenverkäufe eben doch nicht ganz mithalten. So aber bleibt Bublé in den Robbie-Interregnumsjahren der ungekrönte König der zeitgenössischen Swing-Aufbereitung – und somit rechtmäßiger Erbe des großen Frank Sinatra, des blauäugigen Samtkehlchens mit den guten Mafiakontakten.

Dass heute überhaupt Millionen an seinen Lippen hängen können, ist Michael Bublés italienischem Großvater zu verdanken. Der, ein musikbegeisterter Klempner aus Treviso, hatte ihm nicht nur die nostalgisch geprägte Plattensammlung zur Verfügung gestellt, sondern auch seine handwerklichen Dienste im Austausch gegen Bühnenzeit für den Enkel angeboten. So hatte Michael Bublé mit 16 erste Auftritte in Nachtclubs an der Adria, zu einem Zeitpunkt, als sein beruflicher Werdegang auch noch anders hätte verlaufen können. Denn als Sohn eines Hochseefischers verbrachte er mehrere Sommer an Bord eines Fischtrawlers – nach seiner Aussage die härteste körperliche Arbeit, die er je zu bewältigen hatte. Das hat er ja nun nicht mehr nötig: Eine zielstrebige, umsichtige Karriereplanung hat ihn früh Kontakte zu den richtigen Leuten knüpfen lassen – etwa zu den Produzentengenies David Foster und Bob Rock, die seinen Alben jenen cremigen orchestralen Schmelz verleihen, der in diesem Genre unverzichtbar ist.Jörg Wunder

O2 World, Di 21.1., 20 Uhr, 66-144 €

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