Zeitung Heute : Da kommt was ins Rollen

Berlin ist Single-Metropole. Damit sich das ändert, gibt es Flirt-Radtouren.

Manuel Opitz
Kommt Zeit, kommt Rad. Hobbys verbinden, über das gemeinsame Interesse kommt man leichter ins Gespräch. Auf den Flirt-Faktor beim Fahrradfahren setzt eine Spezialveranstalterin in Berlin. Es gibt aber auch jede Menge anderer Touren in die neue Saison. Foto: dpa/Marks
Kommt Zeit, kommt Rad. Hobbys verbinden, über das gemeinsame Interesse kommt man leichter ins Gespräch. Auf den Flirt-Faktor beim...Foto: picture alliance / dpa

Woher kommst du? Wo wohnst du? Wo fährst du gerne Rad?

Das sind meist die Einstiegsfragen. „Das ist meistens der Moment, in dem das Eis bricht“, sagt Daniela Nolte. Sie weiß, dass Berlin nicht nur die Hauptstadt der Singles ist, sondern dass sie auch ein beinahe unüberschaubares Freizeitangebot bietet, von Angeln bis Zen- Meditation. Die Veranstalterin Daniela Nolte hat daraus eine Geschäftsidee entwickelt mit beidseitigem Nutzen – für die Macherin und für die Teilnehmer. „Sports & Flirts“ heißt das Angebot, mit dem sie Freizeit und Partnersuche verbindet. Pünktlich zum Frühlingsbeginn organisiert sie ein „Dating auf zwei Rädern“.

Am Ostermontag treffen sich in der Altstadt Spandau zehn bis zwanzig Fahrradfreunde. Keiner kennt sich, aber alle sind Singles und zwischen 35 und 55 Jahre alt. Nur zwei Dinge verbindet sie: der Wunsch nach einem Partner und die Vorliebe fürs Radeln.

Bevor es auf die Räder geht, gibt es ein Begrüßungsgetränk und Zeit, ins Gespräch zu kommen. Das Duz-Problem klärt Nolte gleich am Anfang. „Ich frage, ob alle damit einverstanden sind, wenn wir uns duzen.“ So überwinden die Teilnehmer der Tour gleich die erste innere Distanz. Von der Altstadt Spandau führt die Tour dann entlang der Havel, des Tegeler Sees, vorbei an Konradshöhe Richtung Nieder-Neuendorfer See raus ins Grüne. Namensschilder gibt es nicht, auch keine Spiele wie Flaschendrehen und Wahrheit oder Pflicht. Dafür darf jeder neben jedem strampeln.

„Meistens bilden sich ziemlich schnell Dreier- oder Vierergruppen“, erzählt Nolte. Dabei rückt der Dating-Charakter in den Hintergrund. „Es geht eher darum, als Gruppe etwas gemeinsam zu unternehmen und Spaß zu haben.“ Sie versucht lediglich, Gespräche anzuschieben. Nur wenn es sein muss, greift Nolte ein. Etwa in der Mittagspause beim Italiener. „Manchmal setzen sich alle Männer in die eine Ecke und die Frauen in die andere.“ Dann empfiehlt sie den Radlern, sich vielleicht doch anders zu verteilen. Wie hoch die Chancen sind, beim „Dating auf zwei Rädern“ tatsächlich den Traumpartner zu finden? „Manchmal merke ich, dass sich zwischen bestimmten Teilnehmern was anbahnt, aber das ist natürlich nicht bei jeder Tour so. Die Schwierigkeit ist ja gerade, jemanden zu finden, der zu einem selbst passt.“ Statt Partnerschaften würden sich oft auch Freundschaften entwickeln.

Gegenüber anderen Methoden, Partner zu finden, gibt es doch einige Unterschiede: „Beim Blind Date und beim Speed Dating ist der Druck ein ganz anderer.“ Bei den „Flirt“-Touren erfreuten sich die Teilnehmer an der Fahrt, selbst wenn es nicht klappt mit dem Wunschpartner. Nolte ist davon überzeugt, dass sich Freizeit und Partnersuche gut kombinieren lassen. Neben der Radtour bietet sie auch eine „Paddeltour zum Verlieben“ über den Wannsee, Bogenschießen, Tanzkurse, Weinseminare und Reisen für Singles an. Nach 30 Kilometern ist Schluss mit dem „Dating auf zwei Rädern“ – zumindest vorerst. Manchmal verabreden sich welche gleich zur nächsten Tour.

Veranstalter: Sports & Flirts. „Dating auf zwei Rädern“ am Ostermontag, Treffpunkt: Um 11 Uhr in der Altstadt Spandau, Strecke: 30 km, Dauer: ca. 2 Stunden, Preis: 39 Euro (inkl. Begrüßungsgetränk, Mittagessen, Energiedrink), das eigene Fahrrad muss mitgebracht werden, Alter: 35–55 Jahre. Weitere Infos unter der 88 53 13 68 und auf www.sports-and-flirts.de.

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