DANCEFLOOR Rihanna : Sex in der Wüste

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Die Künstlerin als stachelbewehrte Amazone, mit fetter Wumme herumfuchtelnd. Oder als G.I.-Jane in knappen Hotpants, die Brustwarzen mit Gaffaband abgeklebt und das erigierte Kanonenrohr einer Panzerhaubitze zwischen den Beinen – das Video von Rihannas Single „Hard“ ist so überladen mit sexistisch-militaristischer Symbolik, dass man fast schon verzweifelt zu ironisierenden Interpretationsansätzen greift: bestimmt nur ein lustiges Update des ollen Postapokalypse-Reißers „Mad Max III – Jenseits der Donnerkuppel“. Oder auch nicht, denn dafür ist das wohl kaum zufällig an die aktuellen Schauplätze US-amerikanischer Kriegsführung erinnernde Wüstenszenario zu realistisch.

Wurde Rihanna von der U.S. Army zur amoralischen Truppenertüchtigung angeheuert? Eher dürfte man vermuten, dass sie im permanenten Wettstreit um schlagzeilenheischende Images gegenüber Konkurrentinnen wie Beyoncé und Lady Gaga mal wieder punkten musste. Und Sex mit Domina-Getue und Militär, da geht immer was, da ist die reflexhafte Empörung quasi eingebaut.

Tatsächlich scheint das Kalkül aufzugehen, die Umsätze mittels einer nochmaligen Steigerung des Pornofaktors – im Booklet zu Rihannas aktueller Platte „Rated R“ findet man unter anderem Bilder der nackten, an entscheidenden Stellen von Stacheldraht „verhüllten“ Künstlerin – anzukurbeln: Im schrumpfenden Markt behauptet sich die 22-Jährige aus Barbados, die schon mit 17 ihren ersten Top-Hit hatte und 2007 mit dem von Jay-Z produzierten „Umbrella“ eine der erfolgreichsten Singles des letzten Jahrzehnts lancierte, als eine der wenigen R’n’B-Sängerinnen mit Multi-Platin-Potenzial. Jörg Wunder

O2 World, So 2.5., 20 Uhr, 50-75 €

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