Zeitung Heute : Darf’s noch ein Tässchen sein?

fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin. Heute: Vom Nutzen des Kaffees

Hartmut Wewetzer

Antioxidantien schützen unsere Zellen vor Schäden durch besonders aggressive Sauerstoffmoleküle, chemische Radikale genannt. Damit bewahren sie den Körper möglicherweise vor etlichen Krankheiten, vor Entzündungen, Gefäßschäden, vorzeitigem Altern, ja sogar vor Krebs. Zumindest gibt es Hinweise darauf, dass sie die Gefahr senken können. Viele Vitamine, Spurenelemente und Polyphenole zählen zu den Antioxidantien, sind also „Radikalenfänger“. Sie sind vor allem in frischem Obst und Gemüse enthalten. Und nicht nur das. Der US-Chemiker Joe Vinson von der Universität von Scranton hat nun festgestellt, dass die Hauptquelle für Antioxidantien nicht etwa Grünzeug ist, sondern – Kaffee!

Vinson analysierte den Gehalt an zellschützenden Polyphenolen in Kaffee und rechnete ihn auf einen täglichen Konsum von etwa zwei Tassen Kaffee um. Das Ergebnis war eindeutig. Der Durchschnittsamerikaner (und man wird die Ergebnisse wohl weitgehend auf Deutschland übertragen können) nimmt über den Kaffee täglich 1,3 Gramm Antioxidantien zu sich. Zum Vergleich: Tee 0,3 Gramm, Bananen 0,08 Gramm, Äpfel 0,04 Gramm und Tomaten 0,03 Gramm. Zudem zeigte sich, dass Kaffee deutlich „antioxidativer“ ist als Kakao und grüner, schwarzer oder Kräutertee. Übrigens erhöht das Rösten des Kaffees den Gehalt an Antioxidantien dramatisch. Schwarz oder mit Milch, mit oder ohne Koffein – das spielt dagegen keine Rolle.

Zeit, ein wenig Wasser in den Kaffee zu schütten. Aber nur ein wenig. Entscheidend ist, was von den Antioxidantien auch im Körper ankommt und hier segensreich wirkt. Das ist noch nicht ausreichend erforscht. Zudem erhöht Kaffee den Puls und den Blutdruck, kann einen zittrig machen und Magenschmerzen verursachen. Auch der Kaffee-Experte Vinson rät nur zu maßvollem Genuss und fordert vor allem dazu auf, Obst und Gemüse nicht zu vergessen. Die enthalten nämlich nicht nur zellschützende Substanzen, sondern auch Vitamine, Ballaststoffe und Mineralien.

Nein, den Apfel und die Tomate kann der Kaffee natürlich nicht ersetzen. Aber es gibt durchaus noch mehr Positives über ihn zu berichten. Bekannt ist der anregende, munter machende Effekt des Koffeins. Und vor einem Jahr beobachteten finnische Mediziner, dass Kaffeetrinker ein geringeres Risiko haben, an Typ-2-Diabetes („Alterszucker“) zu erkranken. Das hatten vor ihnen schon amerikanische Ärzte festgestellt.

Andere Untersuchungen fanden Hinweise darauf, dass das schwarze Gebräu das Risiko von Leber- und Dickdarmkrebs ebenso verringern kann wie die Gefahr, an der Schüttellähmung (Parkinson) zu erkranken. Schließlich stellte sich heraus, dass Kaffee seinen Ruf als Flüssigkeitsräuber wohl zu Unrecht hat. Womit jetzt wiederum nicht der Eindruck erweckt werden soll, dass er eine Art medizinisches Heilgetränk ist. Das denn doch nicht. Aber ein Tässchen, das können Sie sich jetzt ruhig noch einschenken.

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