Zeitung Heute : Das Aktuelle Computerlexikon: L

MARKUS VON RIMSCHA

Bei einem vernünftig ausgestatteten Rechner können die Softwarekosten leicht den Preis des eigentlichen Computers übersteigen.Oft hat der Anwender aber gar keinen Bedarf an extrem ausgefeilten Spezialfunktionen, die Standard-Ausstattung wäre vollkommen ausreichend, selbstverständlich auch zu einem entsprechend niedrigeren Preis.Dies haben die Software-Hersteller mittlerweile erkannt und bieten viele Produkte in unterschiedlichen Versionen an.

Insbesondere bei sehr teuren Paketen wie den gängigen Programmiersprachen lohnt sich dieses Vorgehen.Meist mit dem Zusatz "Standard" werden hier preiswerte Varianten angeboten, die für durchschnittliche Bedürfnisse vollkommen ausreichend sind.Hier fehlen üblicherweise nur sehr mächtige Funktionen, die lediglich für die kommerzielle Softwareentwicklung wirklich gebraucht werden, der Hobby-Programmierer kann getrost verzichten.Bei diesen Produkten besteht jedoch mit Blick auf rechtliche Nutzungsmöglichkeiten kein Unterschied zu den teureren Versionen.Sie müssen gekauft werden und dürfen keinesfalls weitergegeben werden.

Viele Hardwarehersteller liefern ihre Produkte grundsätzlich mit Light-Versionen passender Programme aus.Ein gängiges Beispiel sind hier Scanner, die meist mit Bildbearbeitungs- und Texterkennungssoftware ausgestattet sind.Diese Anwendungen sind in ihrer eigentlichen Funktionalität oft gar nicht oder nur geringfügig eingeschränkt.Lediglich die Liste der unterstützten Hardware-Komponenten, in der Vollversion meist sehr umfangreich, wird hier auf das gerade gekaufte Teil zusammengestrichen, bestenfalls werden alternative Produkte des gleichen Herstellers unterstützt.Insbesondere beim Hardwarekauf ist die mitgelieferte Software genau zu prüfen, denn oft würden die beigelegten Programme in der Vollversion mehr kosten, als Hardware und Light-Versionen zusammen.Ein professionelles Texterkennungsprogramm wie Omnipage kostet in der Vollversion mehrere hundert Mark, mehr als die meisten Scanner, bei dem die abgespeckte Light-Version beiliegt.Auch hier handelt es sich um Software, die zwar günstig zu haben ist, aber keinesfalls frei kopiert werden darf.

Einen Schritt weiter gehen manche Hersteller gängiger Hilfsprogramme und Anwendungen.Während beispielsweise Windows 95 und der Nachfolger 98 mit Zubehörprogrammen reichlich ausgestattet sind, zeigt Windows NT teilweise recht unangenehme Lücken.Nützliche Werkzeuge wie die Festplatten-Defragmentierung, bei der die im Laufe der Zeit entstehende Unordnung und Zersplitterung der Dateien auf dem Datenträger aufgeräumt wird, fehlen.Ähnliches gilt für Backup-Software oder für Werkzeuge, mit der Programminstallationen komplett rückgängig gemacht werden können.So ergibt sich für kommerzielle Anwender und Privat-Nutzer, die sehr hohe Ansprüche an ihr System stellen, ein weiterer Kostenfaktor.Gängige Pakete wie die Norton Utilities schlagen mit rund 160 DM zu Buche, die Windows NT-Version kostet 250 DM.Hier haben sich einige Hersteller dazu entschlossen, neben der üblichen kommerziellen Variante eine kostenlose Light-Version anzubieten, die als Freeware völlig frei kopiert werden darf.Auch Demo-Versionen größerer Programmpakete, wie beispielsweise verschiedener Office-Anwendungen, sind teilweise als kostenlose und frei kopierbare Light-Version verfügbar.Die Funktionalität ist hier aber meist sehr stark eingeschränkt.

Insgesamt bieten Light-Versionen, von reinen Demo-Programmen abgesehen, meist eine Funktionsausstattung, die zumindest für den Privatanwender vollkommen ausreichend ist.Gerade bei Anwendungen, die zu einem marktüblichen Preis wohl gar nicht den Weg auf den Heimanwender-PC finden würden, sind Light-Versionen eine interessante Lösung.In jedem Fall ist aber bei Programmen, die in unterschiedlichen Versionen existieren, auch und gerade bei der preiswertesten Variante exakt darauf zu achten, welche Nutzungsbedingungen der Hersteller vorsieht.Das großzügige Vorgehen einer Freeware-Version, die kostenlos zu haben ist und frei kopiert werden darf, ist keineswegs Standard.

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